Druckschrift 
4 (1854)
Entstehung
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301
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hier unter Menschen, die es gut mit ihr meinen und staunendhörte Grdmuthe, das; man hier Alles von ihrem Leben wußteund erröthend hörte sie ihr Lob, daß sie eine so tüchtige Bäueringeworden und sich nicht auch dem der schweren Arbeit entwöh-nenden „Wirthcln" ergeben habe. Jetzt weinte Grdmuthe, diesonst nie Thränen vergoß, übermäßig; Alles was sie heute er-lebt, drängte sich plötzlich übergnellend zusammen. Die Frausuchte sie mit den besten Worten zu beruhigen und die Roselsagte, sic müsse ihre Kranzjungfcr bei der Hochzeit sein. Grdmutheerklärte, daß sie nur dem Oheim sagen könne, was ihr das Herzbedrücke.

Als der Oheim Gottfried zurück kam, öffnete er einen Schrank,nahm mehrere mit Stempeln versehene Papiere heraus undsagte: „Du wirst auch wissen wollen, wie es mit deinem Ver-mögen steht i das sind die Hypotheken, dreitausend vierhundertGulden ists gewesen und so ists geblieben, dein Vater hat jedesJahr, auch wie's ihm gut gangen ist, die Zinsen erhoben. Wenndu einen rechtschaffenen Mann kriegst, der was hat, so ist dasein guter Zuschuß, daß ihr gut Hansen könnet."

„Ich denk nicht daran, Vetter."

„Wird schon kommen."

„Nein, höret mich gut an, Vetter."

„Ja, ja, red du nur."

„Schaut Vetter, ich bin ... ich soll ... ich will ... jaich soll mein Vermögen holen."

„So? Das glaub ich, daß das dein Vater will."

„Und ich auch."

„Aber Ich nicht."

„Gottfried that die Papiere wieder in den Schrank, ließ denRiegel zweimal in die Schließe fallen und knüpfte das Lederband,daran der Schlüssel befestigt war, wieder in das Westenknopfloch.Erdmuthe saß still da.

„Was möchtest denn nütdcm Geld machen?" fragte Gottfried.

„Meinem Vater damit anfhclfen."

„Daß es der Lump auch noch verfressen und versaufen kann?"