Druckschrift 
4 (1854)
Entstehung
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hat und keinen Unglücksfall gehabt hat, er mag sagen was erwill, wie soll der jetzt auf Einmal fleißig und haushälterischwerden? Du bist nach in jungen Jahren, du hast das Leben erstvor dir, du darfst dich nicht in's Unglück stürzen für einen, derschon mit fertig ist. Besinne dich wenigstens noch, ein Jahr oderso lang du willst, du kannst bei mir bleiben oder wo du magst."

Es war zum Verwundern mit welcher Festigkeit und raschenEntgegnung Erdmuthe allen Einwänden Stand hielt und endlichbrachte Gottfried das Ehrengewand der Verstorbenen und erklärtemit bebender Stimme wie Cyprian das verkauft und wie er eserworben habe, um es einst Erdmuthe zu ihrem Ehrentage zugeben und als Erdmuthe bestritt, daß der Vater den Ehrenschmuckverkauft, stampfte Gottfried auf den Boden ob dieser Starrheit,aber noch einmal faßte er sich und beschwor sie beim Andenkenan die Selige ihm und nicht dem Vater zu Willen zu sein. Undals Erdmuthe noch immer standhaft blieb, veränderten sich plötzlichseine Mienen, mit heiserer Stimme schrie er:

„Gut, so geh, so geh, aber das schwör'ich dir, du verleugnestmich, ich verleugne dich auch, auf ewig, auf ewig. Tu bist tcdtfür mich, begraben und Gras drüber. Geh —"

Plötzlich brach sich seine Stimme, er konnte nicht weiter reden;die Frau, die mit Bläsi und. den beiden Töchtern in der Küchezugehvrt hatte kam herbei und klagte, daß das Uebel, das Gott-fried schon einmal gehabt, wiedcrgekehrt sei, aber Gottfried winktemit der Hand, daß Erdmuthe hinaus solle, und sie verließ dasHaus. Niemand grüßte. Niemand geleitete sie. Als ginge sieschon auf schwankendem Schiffe, so schritt Erdmuthe das Dorfhinaus, sic schaute sich nicht um und ging unaufhaltsam bis sieda wo der Weg auf die Hauptstraße geht unter dem blühendenApfelbaum am Wegweiser sich »übersetzte. Sie schaute nicht aufund antwortete nicht dem Gruße der Weiber, die mit BündelnUnkraut aus den Saatfeldern kamen.