„Das ist ein Kind, das ist ein wahrer Engel, ich bin's nichtWerth, das; ich so ein Kind habe."
Die Frau lachte in sich hinein.
An diesem Tage ging es festlich und vollauf bei Cyprianher, fast wie in seinen besten Zeiten und Erdmuthe war der ge-feierte Mittelpunkt von Allein, selbst ihre Geschwister, die sonstnur Boshaftigkeiten an ihr ausübten, waren heute freundlichund dankbar ob des Kuchens, den sie durch die Schwester er-hielten.
Tags darauf geleitete der Vater selber Erdmuthe bis genHoklmaringen, er sprach wenig, nur manchmal schärfte er derTochter noch ein, wie sie sich seinen abwendig machenden Fein-den gegenüber zu benehmen habe. Er wollte Erdmuthe wieder-holt die Anleitung geben, das; sie sagen möge, der ganze Planginge von ihr ans und es habe ihr Niemand einen Gedankendavon eingcfloßt, aber Erdmuthe sagte:
„Vater, das geht nicht, ich komm' viel bester durch wennich bei der Wahrheit bleib, llnd was brauchen wir denn da leug-nen und verhehlen? Es ist ja in der Ordnung, daß das Kinddem Vater folgt, da kann kein Mensch was davon los hauen."
Wenn der Vater den Blick zur Erde geheftet, gramvollenAntlitzes so dahin schritt, betrachtete ihn Erdmuthe oft mit stillemMitleid und sie freute sich wieder, daß es ihr gegeben sei, Alleswieder gut zu machen und sic gedachte mitten in ihrem prakti-schen Vorhaben der Märchen, wo die Kinder ausziehcn, um dasLebenskraut für den kranken Vater zu holen und mit Muth allerleiFährlichkciten bestehen.
Als man Hoklmaringen auf der breiten Ebene vor sich sahund der Weg von der alten Hauptstraße nach dem Dorfe abbog,stand der Vater still und sagte, daß er wieder umkehre und inScebrunn im Nößlc, das das erste Haus des Dorfes gegen Holl-maringcn war, auf die Rückkehr Erdmuthes warten wolle. „Duweißt Alles," sagte er, „und geh in Gottes Namen." Er setztesich an den Wcgrain und preßte die gefalteten Hände auf denSchlehdornstock zwischen seinen Knieen. Als er nach geraumer