Druckschrift 
4 (1854)
Entstehung
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Ein geschmücktes Opfer.

Das war ja wie aus den alten glücklichen Märchen alsErdmuthe an ihrem ein und zwanzigsten Geburtstage in ihrerDachkammer erwachte und ein blinkendes Geschmeide vor ihrenAugen schwebte; aber der es ihr darrcichte, war kein Zaubererund kein Geist, sondern der Vater, der es ihr selber um den Halsnestelte und stumm weinend sie küßte.

„Was ist denn? was ist denn?" fragte Erdmuthe noch halbträumend. Der Vater setzte sich zu ihr auf den Rand des Bettesund tief athmend begann er:

„Das ist das Geschmeide deiner Mutter selig, das Hab ichnicht hcrgeben, in keiner Noth, das ist so bestimmt gewesen, dassollst du heut haben. Heut vor ein und zwanzig Jahren —"

In Erinnerungen verloren konnte der starke Mann nichtmehr weiter reden und weinte laut.

„Habt Ihr nicht den Ehrenschmuck meiner Mutter verkauft?Deswegen ist Euch ja der Ohm Gottfried so seind? fragte Erb-in uthc.

„Ich Hab die Kleider verkauft, um den Mauskopf zu ärgernund sie wären doch vermodert, aber den echten EhrcnschmuckHab ich doch behalten. Schau Erdmuthe," und Cyprian faßteihre Hand, „Du bist mein liebes Kind, du bist mein einzigesKind, mein einziges, du bist mir ans Herz gewachsen wie keinessonst, du weißt's wenn ich dirs auch nicht oft sag —"

„Ja, ja, Vater, das weiß ich."

„Schau, du kannst aus mir machen was du willst, einenBettelmann oder einen Ehrenmann, oder einen, der sich selbstum's Leben bringt."