„Wenn ein Hund a» der Kette liegt, werfen die Buben mitSteinen nach ihm, sie wisse» wohl warum, wenn er aber los ist, hui!"
Sie erklärte trotz vieler Fragen beharrlich nicht, was sie da-mit meinte, und die Leute schüttelten den Kopf ob ihres Jrrere-dens: sie hatte aber wol damit sagen wollen, daß man sie inihrem Elend vielfach verhöhnt und verspottet habe, und aller-dings waren unter den Angekommenen auch Menschen, die sichsolches hatten zu Schulden kommen lassen. Seb drängte die Be-suchenden mit Höflichkeit hinaus und verschloß die Hausthüre,und jetzt wendete er sich mit erneutem Eifer an Züge und betheu-erte ihr, wie er ihr jede Minute ihres Lebens doppelt vergeltenwolle für das große Leid, das er ihr augcthan. Zilge lächeltefreudig, faßte seine Hand und drückte sie, als er aber hiuzusetzte:„So ist's recht, jede Minute, die wir noch setzt von unserm schö-nen gesegneten Leben verlieren, ist eine Sünde an Gott," daschrie sie laut auf und stieß ihn von sich, indem sic sagte:
„So? Eine Sünde an Gott ist jede verlorne Minute? Wieviel Minuten hat sieben Jahr? Hol' die Tafel und rechne. Nein,nein, nein, du kannst gehen, wohin du willst, sieben Jahr ver-lassen sei» ist ei» Sckcidcgrund, ich will's auf mich nehmen, wasdu willst, wie du willst: sag mir nur nichts mehr von deinemGeld —"
„Und unsere Kinder?" sagte Seb bebend.
„Ihnen zu lieb möcht' ich schon, aber ich kann nicht, Gottist mein Zeug', ich kann nicht:" sie schlug sich wie bcthcuerndmehrmals auf die Brust, dann sagte sie dumpf:
„Wart nur noch eine Weile, dann holt mich der Tod, dannsoll Alles allein, Alles, ich will nichts davon, gar nichts, mansoll mich mit meinen Lumpen zudcckcu." —
Seb legte den Kopf weinend auf den Tisch, Zilge stand aufund fuhr ihm mit der Hand über die Haare, dann sank sie plötz-lich nieder. Seb trug sic in seinen Armen ans das Bett, danneilte er hinaus und schickte einen reitenden Boten nach dem Arzte.
Als es zum erstcnmale zur Kirche läutete, richtete Zilge sichauf und sagte: