248
Mutter und Kind standen an dem Stamme gelehnt, die Tropfenfielen so schwer nieder durch die Zweige, es raschelt ans den vor-jährigen Blättern am Boden allezeit, als kämen Schritte vonallen Seiten,' in den Wipfeln saust es, und drunten der Neckarrauscht, und cs läßt sich nicht mehr unterscheiden, was ist Wal-dcssansen, und was ist Stromesbransen, Der Kukuk hat nochkaum vor einer Weile gerufen und dabei so seltsam gelacht, ja,wer ihn tief im Walde belauscht, kann ihn hören wie er lacht;jetzt ist er auch still.
„Ich möcht' nur auch den Kukuk einmal sehen," sagte derkleine Johannes.
„Laß ihn, dein Vater ist auch ein Kukuk."
„Warum?"
„Ich weiß schon warum, du brauchst nicht Alles wisse».Wenn du und dein Echwcsterle nicht war', da hält' man michschou da unten am Mühlrechen ausgefischt."
„Wie denn?"
„Ich hält' mich vertränkt."
Eine Elster huschte plötzlich über Zilge tiefer in den Waldhinein, als hätte sie das böse Wort verscheucht; den Vogel ge-wahrend wurde Zilge seltsamerweise plötzlich inne, was sie ge-than, sie pflanzte ja neue unheilvolle Gedanken in die Seele desKindes; sie gab ihrem Bruder Recht, der sie für irrsinnig erklärtbatte, sie nahm fortan den Knaben nicht mehr mit auf ihrenWanderungen.
Jahr an Jahr verlief, man hörte nichts von Scb. Die Stor-chen kamen und gingen, die Menschen freuten sich, das; die Bäumeblühten und das Ackerfeld grünte, und sie freuten sich, als dieSaaten dürr und reif wurden, und die Bäume voll Früchte hin-gen, und Zilge blieb allezeit still und in sich gekehrt. Mau hörtenichts von Scb. Zilge harrte nicht mehr und dachte nicht mehr.Sie versuchte es, ihre alte Thätigkeit wieder auszunehmen, abersie hatte keine Ruhe, und lässig und still ging sic nun ihrem Er-werbe nach.
„Ich bin siebenmal einsam," klagte sie am Pfingsten, als