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Um so auffälliger war die ungewöhnliche Trauer Seb's, indie sich zu dem Gefühl der Verlassenheit noch das Bangen undeine drohende Selbstverantwortlichkeit mischte.
Er wies Len Gedanken weit weg, daß er dem Vater die Schuldhätte ausbürdcu sollen, und doch kam er bald wieder. Zilge suchteihren Mann mit inniger Tröstung aufzurichten, aber es gelangihr nicht, sie sagte ihm, es sei so beschicken, er solle nicht mehrhaben als sie auch; sie sei so auch elternlos. Er konnte und wollteihr für diese guten Worte nicht sagen, daß ihr Vater sich nichtmit dem seinigeu vergleichen könne. Erst als Zilge ihm sagte, daßdie Leute seine Trauer als Reue über seine Ehe mit ihr deutenmüßten, schüttelte er gewaltsam alle Trauer ab, und Frühlingund Arbeit halfen ihm darin getreulich als die besten Tröster.
In diesem Frühling konnte Seb nicht nur Gesellen anneh-mcn, cs trat auch ein Ereignis; ein, das, so klein cs erschien, dochihm und Zilge große Freude machte: ein Schwalbenpaar nisteteunter ihrer Dachfirste, gerade über dem Fenster, wo Zilge stickte.Die fröhlichen Verheißungen, die seit uralten Zeiten sich in denAnban des lieblich behenden Vogels knüpfen, erheiterten Zilge i daschlägt kein Blitz ein und Friede und Ruhe ist im Hause; derAusspruch der ganzen Lebensfreude, die sie erfüllte, knüpfte sichan die Ankunft des Vogels. Seb hatte aber noch seine besondereFreude, die er nicht aussprach. Die Wahrnehmung, daß der Vo-gel unter seinem Dache nistete, galt ihm als eine Gewähr, diealle Messungen zu Schanden machte; das Haus war wohlgebaut,denn der kluge fromme Vogel baut nicht unter ein Dach, dasschwankend und unsicher ist. So waren die jungen Eheleute vomKleinen aus und im Großen ihres ganzen Hausstandes heiterund werkthätig.
Am Abend desselben Tages, als das neue Haus gerichtetwurde, das erste, das Seb als Meister für einen Fremden baute,Wurde ihm ein Sohn geboren, und Zilge war noch am Mittagebeim Bauspruche gewesen.
Die ganze lustige Baugewcrkschaft kam noch am späten Abendund sang vor dem Hause Helle Lieder, die lustig das Thal hinab
Auerbach'S Dorfg. 4. Bd. 1H