Druckschrift 
4 (1854)
Entstehung
Seite
140
Einzelbild herunterladen
 

140

Der Dekan war ein Mann, der nichts übereilte, Alban hieltschon die Zügel der angespannten Pferde in der Hand als derDekan noch gemächlich seinen Schoppen trank und dazu die mitihm angekommeno Landeszeitung las.

Beim Aussteigcn gab es zwei saure Gesichter, ein altes undein junges. Das Kind weinte, weil es allein bei dem Pfarrersitzen sollte, es wollte zu Alban und dieser mußte sich nun mitauf den gemeinschaftlichen Sitz einzwängen; er setzte sich indeßso aus die Kante, daß der Oheim Platz genug hatte. Das Kindsaß zwischen ihnen. Im Fahren verschwindet bald jede anfäng-liche Ungemächlichkcit, man richtet sich allmälig ein und merktzuletzt, daß Jedes noch genugsam Raum inne hat. Der Dekan,der stets die Hände gefaltet auf der Brust hielt, war ein wohl-wollender und behaglicher Mann. Er sprach mit seinem Neffenvon dessen vormaligem Leben in der Ackerbauschule, er war sel-ber ein eifriger Landwirth und machte Versuche mit Tabacksbauund Seidenzucht; dann ließ er sich von Alban von den Frei-schärlerzciten und dem Leben in Neichenbach erzählen. Erst nachdemdieses ordnungsmäßig abgethan war, wobei sie oft von Anrufun-gen des Kindes unterbrochen wurden, das fast eifersüchtig schien,weil Alban sich jetzt weniger mit ihm beschäftigte, begann derDekan zu fragen, wie hoch Alban den Hof übernehme, da er jetztviel mehr Werth sei, weil man die alten Grundlasten abgelösthabe.

Als Alban berichtete, daß er noch immer aus dem Erbganggestoßen werden solle, als er die ganze Wirrniß auseinander zuhaspeln suchte und zuletzt damit schloß, wie er darauf bestehe,daß Alles zu gleichen Theilen gethcilt werde, sagte der Dekanohne eine Miene zu verziehen und ohne die Finger auseinanderzu falten:

„Dann Hab ich auch noch Ansprüche und der Gipsmüllerauch; unsere Abfindung besteht nur darauf, wenn das Gut bei-einander bleibt; wird es getheilt, gehört es gar nicht mehr dei-nem Vater allein."

„Wie soll's denn aber gemacht werden?" frug Alban, der