Druckschrift 
4 (1854)
Entstehung
Seite
137
Einzelbild herunterladen
 

Bruder und Enkelkind

Am Montag war der siebzigste Geburtstag des Vaters. AmSamstag Morgen wurde Alban in aller Frühe mit den beidenFuchsen nach Siebcnhöfen geschickt, um die kleine Tochter desverstorbenen Schmalzgrafcn zu holen; auf dem Rückwege sollteer Abends in der Stadt die Ankunft des Eilwagens abwarten,mit dem der Bruder des Furchenbaucrn, der Dekan im Oberlandewar, kommen sollte. Mit dem einzigen Bruder und dem einzigenEnkel des Vaters sollte Alban dann zurückkehren. Die letzte Ent-scheidung nahte. Der Vater schien dazu Alles was ihm angehörtenm sich versammeln und feierlich mit der Welt abschlicßen zuwollen. Alban war cs trotz aller inncrn Entschiedenheit schwerzu Muthe ans dieser Fahrt. Vinzenz war ihm immerdar ausge-wichcn und hatte ihm nie einen richtigen Bescheid auf seinenVorschlag in der ersten Nacht gegeben. Alban fand keinen Schlafmehr neben dem Bruder, der verstockt und wortlos blieb i theilsum doch Schlaf zu finden, theils auch aus innerer Furcht, daßer sich einmal im Grimme an seinem Bruder vergreife, hatte sichAlban nun in der Stallkammcr im Bette des Dominik sein La-ger gewählt und schließlich hatte das auch noch den besonderenVorthcil, daß man ihm seine Ausflüge nach dem Hellbcrge undseine Rückkunft nicht nachrcchncn konnte. Der Greif allein ver-rietst ihn an: ersten Abend, denn dieser Hund, den sich Vinzenzwährend der Abwesenheit Albans angeschafft hatte und der inder Nacht von der Kette losgelassen war, fiel den Heimkchrcndenwie einen räuberischen Eindringling an, so daß darob das ganzeHaus in Allarm kam. Am andern Morgen hatte der Vater zuAlban gesagt:

„Das ist grad nicht nöthig, daß du in der Knechtskammerschläfst, bleib du nur bei deinem Bruder, und wenn er dir washinterwärts gegen mich einfädeln will, sag ihm nur: es gilt Allesnichts als was Ich scstsctz', das allein hat Bestand."

Hatte Vinzenz dem Vater die erste Unterredung vcrrathen?Alban konnte nicht klug daraus werden. Er blieb aber jetzt um