132
machte seiner Frau gerne eine Freude und heute besonders, erfühlte doch, das; sie ihn von manchem unüberlegten Aufbrauscnabhielt und vielleicht gelingt ihr jetzt bei Alban, wovor ihm nochimmer bangte.
„Gelt, du bist jetzt brav und hörst auf zu widerspcnsten?"sagte die Mutter mit freudig herzlichem Blicke.
„O Mutter!" rief Alban erregt. „Es giebt doch kein'größereFreud auf der Welt als seinen Eltern Freud machen. Wenn ichdraußen in der Welt ein Lob bekommen Hab über das und jenes,Hab ich tausendmal denken müssen: Was nützt mich das Alles?Was ihn ich mit eurem Lob und eurer Zufriedenheit? Das gehtAlles in Wind auf, weil meine Eltern es nicht hören und sehenkönnen, für die allein möcht' ich der rechtschaffenste und allerOrten gepriesene Mensch sein. Wcnn's meine Eltern nicht hörenund sehen, ist Alles nichts. Es hat den Schein gehabt, als wennich ungehorsam war' aber jetzt erst seh ich's, ich bin nichts gewe-sen als ein verirrtes Kind im wilden Wald, das jammert undweint, und woint und ruft nach Vater und Mutter. Mir wär amliebsten, ich thät jetzt sterben, daß Ihr und der Vater mit Freudean mich denken könntet."
Aus dem Urquell alles Lebens strömten Worte und Gedan-ken Albans heraus und die Mutter sah ihn staunend und be-wundernd an wie sich sein Antlitz verklärte, wie eine Verzückungdaraus leuchtete. Mutter und Sohn waren in diesem Augenblickehinansgehoben über alle Wirrnis; und alle Beschwerung des All-tagslebens. Die Mutter drückte ihre beiden Hände auf Augenund Wangen ihres Sohnes und hielt sein Haupt in ihren Hän-den fest, siedrückte ihre Zähne übereinander vor innerstem Jubel,und hier, auf dem einsamen Gehöft unter dem Strohdachc leuch-tete jene Glorie auf, darob der Stern den Himmel erglänzt zumZeugnis;, daß sic so ewig ist wie er . . .
„Lieber Gott, ich hab's ja gar nicht gewußt, was du für einKind bist," brachte endlich die Mutter hervor, und Helle Freudcn-thränen rannen ihr über die Wangen.
Eine Weile waren die Beiden still, die heiligste Regung klang