Druckschrift 
1 (1889)
Entstehung
Seite
233
Einzelbild herunterladen
 

8 2. Unter Friedrich III.

233

missarien Baron Juöl und der Oberstaatssekretär Math zeigten wenigguten Willen. Sie stellten sich ans einen dem branden burgischen ent-gegengesetzten Standpunkt und verschleppten die Sache absichtlich durchviele Konferenzen hindurch, so daß die kurfürstlichen Gesandten beinahe aneinem Erfolge verzweifelten." Die Verhandlungen wären vielleicht kaumgünstig beendigt worden, wenn nicht die gemeinsame Kriegsnoth die beidenStaaten zum Zusammenhalten gezwungen hätte. Bei Gelegenheit eineszur beiderseitigen Unterstützung geschlossenen Bündnisses verglich mansich interimistisch auch wegen der in Rede stehenden Streitigkeiten." Diedänische Kompagnie zahlte unter Bürgschaft des Königs eine Entschädigungs-summe von 16 000 Thlr.; sie begab sich ferner für die nächsten dreiJahre aller Ansprüche hinsichtlich der Landknltnr, mit der Maßgabe, daßdieser Punkt innerhalb der erwähnten Frist in einem demnächst abzu-schließenden Vertrage geregelt und vorläufig von der brandenburgischenKompagnie als Rekognition für den Handel die Summe von 3000 Thlr.jährlich in Hamburg gezahlt werden sollte.

Die Widerwärtigkeiten, welche man in St. Thomas erfuhr, hattenden alten Gedanken, im Interesse des für das Gedeihen der Kompagnieeinmal nothwendigen Sklavenhandels eine Insel in Amerika eigenthümlichzu erwerben, wieder wachgerufen. Zunächst suchte man sich durch Okku-pation des Krabbeneilands, einer zwischen St. Thomas und Portoricogelegenen, 10 Meilen langen und 3—4 Meilen breiten, angeblich herren-losen Insel, zu bemächtigen, welche sich durch besonderen Reichthum anvortrefflichen Hölzern aller Art auszeichnete und für den Plantagenbausehr geeignet war." Am 6. Februar 1689 landeten die Brandenburgerund nahmen in feierlicher Weise von der Insel Besitz; sie gaben sogarder Stelle, an welcher sie vor Anker gingen, den Namen „Brandenburg-Bai," thaten jedoch nichts dazu, sich den erworbenen Besitz zu sichern.Als sie am 19. Dezember 1692 wiederkehrten, sahen sie die Dänenflaggedaselbst wehen, und ein dänischer Kapitän kam ihnen auch alsbald mit

°° Nur einige Berichte seien angeführt: a) Falaiseau und Worckum an den Kur-fürsten, ä. <t. Kopenhagen, den 14./24., den 28. November 1691. R. 65. 16. b) den6./16. Februar 1692. R. 65. 17. Sie bitten um neue Instruktionen. „8i M Ranisavoib kalt nn oontraob plus siair, il nous anraib epargns bisn äs In psins, maise'est uns oüoss partaits." Worckum reist ab. Falaiseau rühmt, daß Worckum sich ander Börse und an anderen Orten zu informieren gesucht und ihn so gut mit Auskunftversehen habe, daß er nunmehr allein die Sache zu Ende führen zu können hoffe,s) Falaiseau an den Kurfürsten, ä. ä. Kopenhagen, den 13./23. und den 16./26. Februar1692. L. 65. 17.

>» Urk. Th. II, Nr. 137 a—o.

^ Eine nicht datierte Aufzeichnung in französischer Sprache. R. 49. R. I.