228 3- Kapitel. Tie brandenbnrgisch-afrikanische Kompagnie.
zu disputieren. Ihnen mache er Vorwürfe, daß sie die fälligen Aus-zahlungen verzögerten, während er noch nicht einmal seine Rechnungenund Jnventarien ans dem Schiffskaufvertrage beigebracht. Dadurch daßer auch jetzt noch viele unnöthige Beamte halte, könne er einen großenTheil derselben nicht bezahlen, und deßwegen hätten sie eine Verringerungdes Personalbestandes vorgeschlagen. ^
Raule wurde zufolge dieser Verdächtigungen anbefohlen, ^ dieDetails des Verkaufs feiner Schiffe an Friedrich Wilhelm, svwie waser auf das Kaufgeld bereits gezahlt erhalten und was er davon noch zufordern habe, näher darzulegen. Es scheint, daß damit eine Untersuchungwider ihn angeordnet wurde, wie Raule sich ausdrückt, ,,wegen der Befchuldigung, er habe seinen eigenen Beutel zu spicken gesucht."" Überdie Art und Weise, in der sie geführt wurde, ist nichts bekannt; es darfaber angenommen werden, daß sie kaum über eine Prüfung seinerRechnungen durch besondere Kommissarien hinausgegangen ist, dennRaule war zu jener Zeit dem Kurfürsten unentbehrlich. Dieser belagertenämlich im August die Festung Bonn und dazu hatte er Geld, Pulverund Lunten gebraucht, drei Dinge, welche ihm Raule, der sich alssein Vertreter im Haag befand, von dort am ehesten beschaffen konnte.Friedrich III. hatte sich dieserhalb kurz vor der Einleitung jener Unter-suchung an ihn gewendet." Als ein wahres Finanzgenie wußte derGeneraldirektor trotz der großen Schwierigkeiten, unter welchen damals derGeldmarkt wegen der Kriegswirren zu leiden hatte, sofort Rath. Er warauf die Idee gekommen, für den Kurfürsten in Holland Leibrenten auf-zunehmen, und damit hatte er ein wirksames Mittel gefunden, den er-schöpften landesherrlichen Kaffen 50 000 Thlr. zuzuführen." Es ist
Schon ä. cl. Emden, den 3./13. September 1689, 1t. 65. 15, hatten die Be-windhaber geschrieben: Sie hätten es für ihre Pflicht gehalten, eine Reduktion derMarinerollen vorzufchlagen, weil die Marinebedienten in Berlin, Haniburg und Hollandüber Gehaltsrückstände klagten, in Pillau sogar auf den Gassen bettelten und in Havel-berg jammerten, daß sie vor Hunger vergehen müßten. Ursache wäre blos, daß Raulein eigennütziger Absicht mehr Bediente, als nöthig und als aus dem destillierten Fondsbezahlt werden könnten, angestellt hätte.
Order, ä. ck. aus dem Kreuzberg von Bonn, den 11./21. Sept. 1689. U. 65. 15.
Raule an von Chwalkowski, ck. ä. Emden, den 12./22. Juli 1698. L,. 65. 22.vol. II. Er bemerkt darin auch, daß die Untersuchung in den Händen zweier Tod-feinde, des Joh. Abr. Cuffeler und des Wybrand von Worckum gelegen und nichtsals seine Unschuld ergeben habe.
" Order, ck. ä. aufm Kreuzberg bei Bonn, den 14./24. August 1689. L. 65. 15.Raule sollte Geld, Pulver und Lunten schleunigst senden.
^ Raule an den Kurfürsten, ä. ck. Haag, den 2. September/23. August 1689.L. 65. 15.