22 g 3. Kapitel. Die brandenburgisch-afrikanische Kompagnie.
Das erste Anzeichen, daß sein Stern im Sinken war, ist in der Ein-setzung einer Oberadmiralität zu erblicken." Denn diese nahm ihm diealleinige Direktion der Kompagnie für die Zukunft dadurch, daß ihmnunmehr der Freiherr von Knyphauscn und Eberhard von Danckelmanan die Seite gestellt waren und daß er alle Angelegenheiten mit ihnenkollegialisch berathen mußte. Als die Strömung bei Hofe gegen ihnimmer mächtiger wurde, sah er selbst seinen bisherigen Freund Knyp-hausen auf der Seite seiner Widersacher. Die Veranlassung dazu bot,daß Raule um die gedachte Zeit in einer — nicht mehr vorhandenen —Bilanz die Schulden der Kompagnie auf 70 600 Thlr. beziffert hatte.Knyphausen rügte dies als viel zu niedrig gegriffen und ließ dabei durch-blicken, daß die bisherige Verwaltung durchaus keine einwandsfreie ge-wesen sei. Dagegen verwahrte sich Raule." Er habe alles auf Orderund nach bestem Verstände gethan und wolle den ansehen, der ihm diegeringste Malversation beweise. Man thue ihm Unrecht, wenn man ihnreprochiere und ihm die Regierung abnähme, nicht anders, als wäre er dergrößte Übelthäter von der Welt. „Ich bin bereit, dieses ins Urtheil ehr-licher und Verstand davon habender Leute zu stellen und will mein Lebensammt allem, was ich in der Welt habe, verlieren, wo ich schuldig bin...Hat Herr von Knyphausen nun noch was wider mich, so wünsche ich,daß er solches schriftlich gebe." Das letztere geschah denn auch," undin der neuen Aufstellung figurierten als Passivbestand 454 400 Thlr. Auchwar darin der Wunsch ausgesprochen, daß Ranle's Anerbieten gemäß einegehörige Revision stattfinden und ein pertinenter Staat formiert werdensolle, „damit man dermaleins aus der bisherigen Loukusion und bösen Ne-imM gerathen möge." Eine neue Zahlrolle, welche Knyphausen beifügteund die eine Herabsetzung der bisherigen Ausgaben, sowie Tilgung der vor-handenen Schulden theils durch Streichung verschiedener Posten, theilsdurch Kürzung von Gehältern bezweckte, wurde vom Kurfürsten genehmigt."
Oktober 1688. Urk. Th. II, Nr. 122, Art. 10.
24 4. 4. Berlin, den 5./15. April 1689. L,. 65. 18.
^ Die Eingabe non Knyphausens ist weder datiert noch unterschrieben. DerAktivenbestand wird darin auf 223000Th. beziffert (188000 Th.: Kurfürst Friedrich III.,24000 Th.: Kurfürst von Köln, 11000 Th.: verschiedene Partizipanten). Außerdemrechnet Knyphausen die Assekuranz- und Bodmereigelder in Höhe von 32000 Th. zuden Schulden, was Raule nicht für richtig hält, weil sie ans den Retouren bezahltwürden. Eine fernere Differenz betrifft eine Summe von 60000 Th.
2 ° 4. 4. im Lager bei Zons, den 27. Juni/7. Juli 1689. L 65. 15. Darnachsollte die monatliche Ausgabe bloß 1778 Th. anstatt 3808 Th. betragen. Die Zahlrollewurde auf Raule's Vorstellung durch die Order, 4. 4. Ober-Wesseling, den 4./14. August1689, „bis zu einer gemeinsamen Resolution der Oberdirektoren der Marine" alsbald