110
Deutsche Prwatbriefe des Mittelalters.
ist uns getrüwlich leydt. Und wie wir künnendt und mvgeiit, wöllent wir initgmitzcii trüwen svlichs verwenden, das cs libyestelt werde. Onch fall iich t>it
zwyfelen, tinser Herr' und gcmnhel werde üch trutvlich bcdcucken, trvst und bystandtzu tüud, sovil im inüglich ist, solichs helffeu abstellen, daz üch inner innickeytund geordetem leben hinderlich ist, wann er und wir habent eyn snnder ivol-gefallen und sröde an wvlgeordetcm leben in e>ott und inn der ere gottes,wölicheS lvir hörent sonderlich ryenien von nwerm convent. Jedoch wyssent ir,wiewol nit nvtt were, üch zu vermnnen, in gedult zü leben, dyewil ir, alswir nit zwyfelen, eynander selber künden trösten und eynander helffeu das crntztragen, so ist doch zü zytcn und gemeinlich der trost eyns geliepten nienschen,der wir hoffent cynes^) zü syn in sonderlicher nlver andacht üch ingebyldt'), gegeneynent andren bekumcrten nienschen gantz tröstlichen und ergötzlich. Und ye lieberder tröstcr, ye angenemer der trost. Demnach, besonder andechtigen, lieben jnnc-frouen, nyemant tvürt gekrönet, er stryt und fecht dann richterlichen. Onchnyemandt wnrt der lon von der arbeyt, die arbeyl sy dann getrüwlich byß zuende nß volbracht. Darnmb cmpfahent dyse anfechtntig, die, als lvir hoffent, andem grössten ist gewesen, für eyn snnder zcychen der liebe gegen gott dem Herren,wenn gott besucht syne allerliebsten hie im zyt mit lyden und anfechtung. Nunsyent wir alle nff erden geborn entlich darnmb, daS >vir gott dem Herren würdenteyn ere in ewyger selickeyt. Und nyemand knmpt dahin, er werde dann gezogendurch den hymelschen vatter und durch das tnittel und den weg, den der almechtyg Igott selbs hatt gewandelt, das ist beknmernüs ilnd lyden. Darnach syn nßerwelte,werde müter Maria, die so lange zit darinn so manig mal s.s on alles ir ver-
schulden von ires allerliebsten lindes wyllen und von tinser sclickeit wegen, daSder verdienst ires nnverschulten lydens nits zü trost keine; dann sy mer gelyttenhatt ktimers, dann nye kein müterlichs Hertz erlyten hatt. Darnach alle Heyligen
behauptete, das Kloster stehe unter seinem Schutz, und seiner fortgesetzten Bedrückung wandte sich dasselbea» den tüchtigen und frommen Grafen Eberhard den Älteren, der Hilfe zusagtc. Der jüngere Grafverbot, dem Kloster die Einkünfte zu geben, überhaupt Lebensmittel zu liefern, und liest es durch Gc-wassnete von der Welt absperren. Eberhard der Ältere versicherte die Nonnen nun „an des heylgen crutzoubent invencionis" (2. Mai) 148" (Sattler a. a. O. Nr. 110) seines unbedingten Schutzes. Sie sollten dasKloster keinesfalls räumen, seine Amtleute zu Urach und Göppingen würden ihnen bei einem Unter-nehmen gegen sie helfen. In dieselbe Zeit fällt der obige fromme Trostbricf seiner Gemahlin Barbara.
Im übrigen entwickelte sich die Sache zu einem grasten Handel. Eberhard der Ältere schickte denNonnen zunächst Lebensmittel, die aber der Vogt zu Kirchhcim in den Spitalhof führte. Jetzt bedrohteder Graf die Stadt Kirchheim, deren Bewohner ihrerseits bei Anwendung von Gewalt das Kloster an-stecken zu wollen erklärten, aber bald zur Einsicht kamen und die Lebensmittel in das Kloster brachten.Nun Laten die Nonnen den heranzichendcn älteren Grafen NM Gnade für die Stadt. Aber der jüngereGraf beruhigte sich nicht und bedrängte das Kloster, namentlich auf Betreiben eines ehemaligen AugustinersKonr. Holzinger und der Nonne Anna Dürrin, aufs neue, so dllst selbst der Kaiser ihm ein scharfesSchreiben sandte und ihm der Kirchenbann angedroht wurde. Im August 1487 bewirkte Herzog Georgvon Bayern einen Vergleich, den aber der jüngere Eberhard alsbald wieder brach, indem er den Auszugder Reformschwcstern verlangte und dem Kloster wieder die Lebensmittel abspcrrte. Nun griff der ältereEberhard mit bewaffneter Hand ein (Febr. 1488) und befreite das Kloster, entsetzte den jüngeren über-haupt der Herrschaft. Dieser erhob Einspruch und agitierte lebhaft bei Fürsten und Ständen. Der älterezeigte in einer Rechtfertigungsschrist, wetz Geistes Kind der andere war. Der Kaiser stand auch auf seinerSeite und billigte, dast er den Landfrieden gehandhabt hätte. Die weitere Entwicklung des Streitesmit de», jüngeren Eberhard (Schiedssprüche usw.) interessiert uns hier nicht, >) einmal, einst. 2) gleich-sam einprägen, vor Augen stellen. Grimm III, I4v f. ») Or., almcthyg.