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Einleitung.
könnten beseitigt werden durch ein vergleichendes Studium im Grundegleichartigen, aber durch Ort und Zeit verschieden gefärbten historischenMaterials. Gewiß werden die lokalen Quellen durch den mit den Dingenim einzelnen vertrauten Lokalforscher oft besser erklärt werden können: aberwird mau nicht wertvollere Erkenntnisse von der höheren Warte der zusammen-fassenden Betrachtung, soweit sich diese ans an sich gleiche oder ähnliche Dingeerstreckt und in den notwendigen Grenzen, zunächst innerhalb eines Volkes,bleibt, gewinnen können? Von einem so zerstreuten und an sich meist auchinnerhalb der lokalen Quellenmasse nur isoliert dastehenden Material, wieden älteren Privatbriefen, wird man das gelten lassen, und man hat auchbei der Veröffentlichung meines ersten Bandes an der Zusammenfassungkeinerlei Anstoß genommen. Aber auch an einer Sammlung deutscherWeistümer hat doch bisher niemand den geringsten Anstoß genommen. Indieser Beziehung ist erst ganz neuerdings v. Below bei dem Erscheinen dervon Kern herausgegebenen Hofordnungen als temperamentvoller Kritiker auf-getreten. Daß seine Einwände eine scheinbare Berechtigung haben, liegt zumTeil an dem Herausgeber der Hofordnungen. Wäre Kern — ganz abgesehenvon seiner oft mangelhaften Wiedergabe des Textes — ein tiefer schürfenderHerausgeber gewesen und hätte die allgemeinen Ziele einer Sammlung solcherOrdnungen klarer erkannt, so würde er vermutlich gerade durch die Zusammen-stellung der Hofordnungen der verschiedenen deutschen Gebiete gewisse grund-legende Erkenntnisse bezüglich der gegenseitigen Beeinflussung der Hofordnungen,bezüglich der gleichartigen Erscheinungen an verschiedenen Orten, aber auchbezüglich wesentlicher Verschiedenheiten (z. B. der Bayerischen) und ihrer Be-gründung noch schärfer feststellen und ausführlicher Nachweisen haben können,vielleicht auch das Material gerade nach dieser Richtung zum Teil noch voll-ständiger haben sammeln und vorlegen, znm Teil kürzen können. Aber auchin der vorliegenden Gestalt kann der Forscher doch gerade durch die zusammen-sassende Darbietung des Stoffes sehr viel lernen, ganz abgesehen von demGewinn der Veröffentlichung bisher unbekannten Materials überhaupt.Natürlich werden solche Zusammenfassungen an der größeren oder geringerenMasse der vorhandenen Quellen je nach der gewählten Gattung ihreGrenzen haben. Eine vollständige Herausgabe beispielsweise aller erhaltenenPrivatbriefe schon des 16. Jahrhunderts würde fast unmöglich sein: da wirdeine verständige Auswahl cintreten müssen. Eine Herausgabe aller deutschenHandwerksordnungen wäre ein uferloses Unternehmen, aber eine vollständigeSammlung der erhaltenen ältesten Ordnungen dieser Art aus Nordund Süd, Ost und West würde doch außerordentlich nützlich sein; und eineAuswahl aus den Handwerksordnungen späterer Zeit, die die wichtigstenund am meisten typischen aus den verschiedenen Städten bringen würde,sollte doch eben in ihrer Zusammenfassung als bequemes Vergleichungs-material ein sehr erwünschtes und willkommenes Unternehmen darstellen.