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1 (1892) Die Technik der Glasmalerei
Entstehung
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Dekorationsmalerei behandeln, welche, wie Reichensperger') sehr richtigsagt, alle feineren Schattirungen und zarten Einzelzüge, sowie jede Rück-sichtnahme auf Linien- und Licht-Perspektive ausschliesst; sie sollen licht-durchwirkte Teppiche sein. Ich führe, hier noch die Worte ProfessorSchaefers u an, welcher sagt:Die glasgemalte Fläche stellt sich darals einen Theil der Wand. Zwar bringt die Zeichnung es ja fast überallmit sich, dass Gegenstände im Fenster erscheinen, die nur in verschie-denen, hintereinander liegenden Ebenen gedacht werden können. Bereitsim einfachsten Bandmuster durchflechten sich die dargestellten Streifen,passiren also vor- und hintereinander her; wo Blattbüschel auftreten,und die Blätter sich theilweise decken, liegt der Idee nach natürlich daseine dem Auge des Beschauers näher, das andere entfernter von ihm ;der abgebildete Heilige, die Ivönigsfigur hält das Buch, den Stab, dasSzepter vor die Brust; der Thronsessel, der aufgespannte Teppich liegenhinterwärts. Aber was die malerische Ausführung angeht, so ist nichtsgeschehen, um dieses Vor- und Hintereinander weiter zu betonen, nichts,um das Ganze oder einen Theil körperlich zu machen. Einen Schlag-schatten gibt es nicht, auch keinen Körperschatten im eigentlichen Sinne.Die sparsam auftretende Modellirung dient nur dazu, die Bewegunginnerhalb einer und derselben Fläche deutlich zu machen. Es gibtdeshalb auch keine Luftperspektive. Kommt es in einer figürlichenKomposition vor, dass eine Figur die andere theilweise deckt, dass letzterealso hinter der ersteren zurücksteht, so sind im Gewände einer jedendieser Figuren zwar vielleicht die vortretenden Partieen gegenüber denTiefen der Gewandung gelichtet und so von ihnen abgehoben, aberkeine Dämpfung des Tones, keine Abtönung im Ganzen verräth, dassdas eine Gewand atif einem vom Auge entfernteren Plane liegt als dasandere. Mit dieser Art von Malerei kommt es also wesentlich auf einekolorirte Umrisszeichnung hinaus, und immer mehr gewinnt heutzutagedie Meinung an Boden, dass die alte Kunst mit einer derartigen Be-handlungsweise das stylistisch Richtige getroffen hat. Hier möge nurnoch die Bemerkung Platz finden, dass es weit gefehlt sein würde, inder angedeuteten Art die Glasmalerei zu behandeln, ein Ergebnissder Reflexion zu erblicken. Vielmehr verbot sich ein Realismus derDarstellung, wie wir ihn in unsern Tagen widersinnigerweise auch indiese dekorative Dinge hineingetragen sehen, in den in Rede stehendenZeitläuften von selbst; ihr malerisches Können leistete nicht mehr alsjenen Umriss mit seinen platt eingetragenen Lokalfarben und seinernothdiirftigen Modellirung. Aber dennoch sind ihre farbenglühenden

D August Keichenspcrger; Fingerzeige auf clem Gebiete der kirelil. Kunst.Seite 47.

2 ) Die Glasmalerei des Mittelalters und der Renaissance von Carl Schaefer,Berlin I SS I , Seite II u. 12.

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