Geschichte der Kreuzzuge. Buch IV. Kap. I.
schlimmer für die katholische» Christen in Syrien, als diesevon dem Erzbischoss Wilhelm beklagte Steigerung, des Ue-bcrmnths der Heiden, war die Wirkung des von den latei-nischen Christen in Syrien an den deutschen und französi-schen Pilgern geübten Verraths auf das ganze Abendland.Mehrere Jahre vermieden die abendländischen Pilger fastgänzlich den durch treulose Lerräther entweihten Boden desheiligen Landes; die wenigen, welche kamen, hielten sichfern von dem Kampfe wider die Heiden und eilten in ihreHcimath zurück, sobald sie ihre Andacht an den heiligenStätten vollbracht harren. Kein Kampf wurde mehr unter-nommen, wodurch das Reich der Christen in dem heiligenLande befestigt, der Besitz der Grabstätte des Erlösers undaller andern den frommen Christen ehrwürdigen Oerter hättegesichert werden mögen. Eine reiche Beute war alles, wasselbst milden tapfersten Thaten gewonnen wurde, und nurdarnach trachteten auch meistens die Fürsten und Ritterdes Kreuzes; jeder der Fürsten, unter weichen Unfriedenund Zwietracht nimmer aushörlen, war mir aufseinen Vor-tdcii bedacht, wenig eingedenk der Ehre des ChristlichenNamens und des gemeinsamen Nutzend. Die Pnllanensahen mit Schrecken die Annäherung des von ihnen ver-wirkten göttlichen Strafgerichts; ein Unglück drängte dasandere, und nur seiten wurde die Reihe der Unglücksfälleunterbrochen durch glückliche Wassenthaten, welche bei derGesinnung der Fürsten und ihren gegenseitigen Verhältnissenunter sich niemals dauernde Vortheile brachten.
Kaum harren die beiden fremden Könige das heiligeLand verlassen: so verwüstete Enur Moincddin von Damas-cus von der randscvaft Hauran aus, wo er mit der Damas-cemschen Miliz, einigen Arabischen Stammen und Turko-mamschen Horden sich gelagert, das Königreich Jerusalem