«or. Lehr war der Plan des Erzherzogs Karl ln Hinsicht aufseine Verstärkungen vereitelt. Wir hatten Ihm nun die beiden
Siraßcn nack Tirol und Salzburg abgeschnltten. Die Truppen,welche in Tirol gegen Loubert gestanden hatten und zu dem Erz»Herzog Karl stoßen sollten, so wie die noch weit größer» Massen,welche vom Rhein her durch Salzburg ankommen sollten, und sichbereits auf den Nebenstraßen befanden, mußten zurückgehen undkonnten sich jetzt nur noch hinter dem Sömmering mit dem Erz-herzog vereinigen.
Unordnung und Schrecken herrschten in Wien. Nichts konntediese furchtbare französische Armee aushalten. So viele Stellungen,die man für unnehmbar gehalten, so viele Engpässe, von denenman geglaubt hatte, daß sie nicht bezwungen werden könnten, hatteder Feind schon in, Rücken und die dreifarbige Fahne wehte bereitsauf dem Sömmering, drei Tagereisen von Wien. Ein Theil derkaiserlichen Familie hatte schon diese Hauptstadt verlassen. MarieLouise, späterhin Napoleons Gemahlin und Frankreichs Kaiserin,wurde, damals 5 Lahr alt, mit ihren Schwestern fortgeschafft.Die Archive und die besten Kostbarkeiten transportirte man nachUngarn, und nach dem Beispiel des Kaisers ließen nun die erstenFamilien schnell alles, was ihnen besonders lieb und theuer war,fortbringen. Die verständigsten Personen sahen die Monarchie amVorabend einer gänzlichen Umwälzung.
Bei Eröffnung des Feldzugs hatte die Regierung dem franzö-sischen General versprochen, daß, sobald er über den Zsonzo ge-gangen seyn würde, die Rhein-, so wie die Sambre- und Maas-Armee, zusammen über 250000 Mann stark, ihre Winterquartiereverlassen und in Teutschland eindringcn sollte. Aber längst schonwar der Lsonzo passirt und immer noch blieben diese Heere in ih-ren Stellungen. Der französische General hatte den Sieg amTagliamento und die falschen Direktionen, welche der ErzherzogKarl seinen Kolonnen gegeben hatte, benutzt und durch diesen ein-zigen Sieg, ohne Verlust, alle Hindernisse zwischen den Alpen unddem Sömmering glücklich überwunden.
Vll. Napoleon schreibt an den Erzherzog Karl.Am Tage nach dem Siege am Tagliamento berichtete Napoleonan das Direktorium, daß er den Erzherzog Karl scharf verfolgeund die französischen Fahnen bald auf den Gipfeln des Sömmeringwehen würden. Er hoffe, daß die Rhein-, so wie die Sambre-und Maasarmee auf dem Marsch sich befinde, oder wenn sie esnoch nicht seyn sollte, doch baldigst aufbrechen werde. Er drangdaraus, daß man ihn von der Zeit ihrer Bewegungen genau unter-