Druckschrift 
5 (1823)
Entstehung
Seite
53
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Nach dem Diner versuchte der Kaiser, der fast gar nicht gegessenhatte, uns die Sitzung der Akademie i>» AnacharsiS vorzulcsc». Wc-der in seinem Ton »och in seinem Wesen war die ihm eigne Kraft unddas sonstige Feuer zu erkennen. Er schloß, gegen seine Gewohnheit,ohne eine besondere Erläuterung oder Bemerkung, und zog sich zurücksobald das Kapitel zu Ende war.

Sonnabends, den 18. Mai.

Der Kaiser war immer noch unwohl. Nach der Heimkehr voneiner Spazierfahrt in der Kalesche gieng er ins Bad und lies mich zusich rufen. 2etzt wurde er munter; wir haben recht sreimüthig bishalb 9 Uhr zusammen geplaudert. Er verlangte in seinem Kabinetzu speisen und daß ich bei ihm bleiben solle. Der -Ort, das iSe»i t rvee, die elegante Bedienung, die schön geschmückte Tafel gabenI wir, wie ich äußerte, die Idee eines recht lieben aber beschränk»! ten häuslichen Verhältnisses, worüber er herzlich lachte. Er fragtemich viel über London, meine Emigration, unsre Prinzen, den Bi«schof von Arras. Er kam dabei selbst auf die vornehmsten Epo-chen seines Konsulats zurück und erzählte davon vielerlei besondere' Umstände und recht merkwürdige Anekdoten. Dann sprachen wirvon dem vormaligen, spater von dem jetzigen Hofe u. s. w. Vie-les hiervon würde blose Wiederholung scyn, weil ich cs, wie ichglaube, schon anderwärts erzählt habe. Andere Dinge sind in mei-nem Manuskripte bloS angedcucet und dadurch auf immer für michverloren.

Nur Folgendes kann ich als neu niederschreibcn. 2ch suchteden Kaiser durch mancherlei Anekdoten und Gcschichtchen zu unter-halten, die man auf Kosten der Frau Marschailin Lefevre, gewißohne allen Grund, erfunden hat, da sie lange Zeit das Privilegiumhatte, daß man sich in allen Salons und selbst in den Tuilericnüber sie lustig machte. „Ich trieb daS so mit, wie jeder Andre,bis ich mir es bald auf immer verbot, a!S ich einen Zug von ihrerfuhr,, der eben so sehr die Hoheit ihrer Gesinnungen, als dieGüte ihres Herzens vcrrieth.

„Madam Lefevre sprach recht gern und mit froher Erinnerungvon der Zeit, wo sie nur die Frau eines Soldaten von der Gardewar und in diesen ihrem Stande angemessenen Verhältnissen lebte,so wie von den Handarbeiten, die sie in jener Epoche verrichtete.Sie und ihr Mann wäre» damals in dem Falle, ihrem Kapitän(dem Marquiö de Valady) mancherlei häusliche Dienste zu leisten.Er war Pachc ihres Kindes und zeichnete sich, sowohl bei demAbfall der Garden, als auch sonst, durch seinen Fanatismus für