Druckschrift 
5 (1823)
Entstehung
Seite
45
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Staate. Unter den übrigen Gästen ward ich auch mein MitglieddeS Instituts gewahr. 2» seinen Augen malten sich Staunen undUnruhe. 2ch redete ihn mehreremale an. Er wendete sich zu sei-nen Nachbarn, sprach leise mit ihnen, und zog Erkundigungen ein.Nach Tisch kam er zu mir, und bat mich, indem er die Sachesehr geistreich behandelte, ihn aus der Verlegenheit zu reissen. Ererinnere sich wohl, daß er die Ehre gehabt habe, mich bei sich zusehn, aber daß er weder den bösen Streich, den ich ihm gespielt,noch die vollständige Mystifikation, die ich gegen ihn beliebt habe,begreifen könne.Es war ganz und gar keine, antwortete ich, ichsagte Ihnen blos die Wahrheit, nur sahen Sie damals den HerrnLesage vor sich, der die Kenntnisse hergiebt, und erblicken jetzt denHerrn Grasen, der das Geld dazu vorschießt. Sehen Sie daraus,wie man Geschichtchen zu erfinden pflegt, und was solche Berichtewerth sind.

Ein ähnlicher und eben so lächerlicher Mißverstand verschaffteauch Herrn Lesage, in dem berüchtigten gelben Zwerge, als Ge»nealogisten des Ordens, die Ehrenstelle einer Wetterfahne unterdem recht lustigen Namen des p-n-v»!»- sapiens (kleinen Weisen.)Sie gründete sich, wie ich späterhin erfahren habe, darauf, dagder König die Genealogie Ew. Majestät, von der man sagte, daßIch sie biS auf Askanius und Aeneas zurückgeführc habe, hatte un-terdrücken lassen. ES würde schwer seyn zu begreifen, was mandamit habe sagen wollen, da in dem Atlas selbst nie das geringste ge-standen hat, daS man nahe oder fern auf etwas der Art beziehenkönnte. Uebrigcns ward ich bei allen Gelegenheiten, wo der Atlasund sein Verfasser etwa angegriffen wurden, von einer Menge eif-riger und treuer Anhänger stets gefragt, ob mir angenehm seynwürde, wenn sie ihn vertheidigten. 2ch bat sic aber inständig, eSnicht zu thun. Denn es schien mir für meine Ruhe gefährlich,das Publikum auf diese Art zu beschäftigen. 2ch lachte selbst mitüber die Streiche, die man dem Herrn Lesage spielte, es wäremir aber peinlich gewesen, sie durch so etwas vielleicht bis zuseinem Gleichnamigen gelangen zu sehen.

Daß übrigens der Atlas ein so allgemeines und ausgcbrcite-tes Glück machte, mußte so seyn, weil das Werk in der Thaljedem Alter, jedem Lande, jeder Zeit, allen Ansichten, Klassenund Doktrinen angehört. Für den der lernen wollte, bot er Un-terricht, für den der bereits wußte, Erinnerungen, dem Schülerwar er ein Führer, dem Lehrer ein Entwickler, er vereinte Chrono-logie, Geschichte, Geographie, Politik u. s. w.

Wenn man ihn recht saßt und ihn zu benutzen weiß, so kannman wirklich sagen, daß er eine ganze Bibliothek ausmachc. Er