mein Herr! rüste er mir zu, ganz geradezu mit der Hand. KeineUmstände, keine Komplimente weiter unter uns! Dir müssen, wiedie Soldaten, aus einer Schüssel essen, fortan einer für den an-dern leben." Das ist ohne allen Zweifel an und für sich etwassehr Unbedeutendes, was aber Vielen die Wendung des Geistes,den Charakter, die Neigungen des Gemüths, die innere Stimmungbesser bezeichnen wird, als es sonst mit einer Menge von Wortennicht möglich wäre; denn eS gicbt Menschen, die scharfsichtiL genugsind, Dinge zu erkennen und zn begreifen, vou denen andere garkeine Ahnung haben, und anS diesem Grunde will ich auch hiernoch etwas nachholen, was ich früber, in der Besorgniß, manmöchte cs für unbedeutend oder doch für unnütz halten, immerweggelaffen habe.
Ich muß schon anderwärts gesagt haben, daß der Kaiser gernmit mir in dem engen Kreise der größer» Vertraulichkeit alle Titeldie Musterung passiren UcS. Ach! guten Morgen Monseigneur!Wie befinden Sich 2hre Epcellenz? WaS sagen Ihre Herrlichkeitheute? rc. Eines Abends nun will ich in den Salon gehen. DerThürsteher ist im Begriff, mir die Thüre zu öffnen, als die desKaisers, welche sich ganz nahe dabei befindet, aufgeht, und letzte-rer sich ebenfalls in den Salon verfügt. AlS ich mich nun hinstelle,um ihn Vorbeigehen zu lassen, nimmt er mich, wahrscheinlich inder Zerstreuung, bei dem Ohre, und spricht zu mir sehr freundlich:„Was «nackten Ihre Majestät hier ?" Aber kaum war dies Wortüber die Zunge, so lies er mein Ohr los, sein Gesicht legte sichin ganz andere Falten, und er sprach sehr ernsthaft von andernDingen. Ick hatte bei ihm allerdings schon so viel gelernt, daßich that, alö ob ich jenes nicht gehört hätte, aber dennoch war eroffenbar unwillig aus sich selbst, daß ihm dieser Titel entschlüpfewar. Alle andere gelten ihm so viel wie bloße Scherze, aber mitdiesem schien daS nicht der Fall zu seyn — vielleicht in Rücksichtseiner besonder» Beschaffenheit, vielleicht in Betracht der gegenwärtigenVerhältnisse, was weiß ich? — Jeder mag sich daS selbst zu er-klären suchen; ich erzähle blos die Sache.
Des Abends nach dem Diner lies uns der Kaiser iiisLesainmcvor. Er lag Im Bette, und kam wieder auf seine Ungläubigkeitbei dem Gebrauche der Arzneimittel. Er sagte, daß seine Gründeso mächtig hierbei wären, daß selbst Corvisard und andere berühmteAcrzte nur noch matt, blos um die Ehre ihrer Zunft zu retten,dagegen gestritten hätten.
Mittwochs am 30. Oktober.
Der Kaiser befand sich heute nicht besser, und hatte zur ge«