Druckschrift 
2 (1823)
Entstehung
Seite
133
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Bei diesen gewöhnlichen Spazierwegen hatten wir seit einigenTagen eine regelmäßige Station in der Mitte deS Thals angenom-men/ denn hier hatten wir unter wüsten Felsen ganz unerwartetein Blümchen entdeckt. Es war unö nämlich unter einem nicdcrnDache ein liebliches Gesichtchen von fünfzehn bis sechszchn 2ahrenerschienen. Das erstemal hatten wir es in dem alltäglichen Anzu-ge, der nichts weniger als Wohlhabenheit andeucetc, überrascht.Am folgenden Tage zeigte sich jedoch die junge Person recht sorg-lich geputzt und nun kam uns das liebliche Feldblümchcn wie eineganz gewöhnliche Gartenblume vor. Demohnerachtct verweiltenwir täglich einige Minuten bei derselben. Sie kam immer einigeSchritte näher, um die wenigen Worte zu vernehmen, die derKaiser an sie richtete, oder ihr dollmetschen ließ, und wir rittendann, im traulichem Gespräch über ihre Reize, unscrs Weges wei-ter. Von dieser Zeit an vermehrte sie unser Namenregister vonkongwood; wir nannten sie nicht anders als unsre Nymphe.

Der Kaiser hatte in seinem vertrauten Kreise die Art, alleswas ihn umgab, nach und nach zu taufen. So hieß die Schlucht,durch weiche wir ritten, stets das ftille Thal, unser Wirth zuBriars unser Amphütrion; sein Nachbar, der Major vonSechs Fuß, unser HerkuleS; Sir George Cockburn, wenn wiraufgeräumt waren, Monseigneur der Admiral, wenn wiraber vcrdrüßlich wurden, nannten wir ihn den Haifisch u. s. w.

Unsre Nymphe ist die eigentliche Heldin des Hirtengedichts,womit es dem Doktor Warden gefallen hat, seine Briefe auszu-schmücken. 2ch suchte seinen 2rrthum z» berichtigen, als er mirdasselbe vor seiner Abreise nach Europa zu lesen gab und sagte zuibm:Wenn Sie ein Mährchen erzählen wollten, so ist das rechtschön; sobald es aber Wahrheit seyn soll, müssen Sic Alles ab-ändern." -Ohne Zweifel hat er geglaubt, daß seine Erzählungsehr interessant sei, denn er hat sie bcibehalcen.

Uibrigens habe ich erfahren, daß Napoleon unsrer NympheGlück gebracht habe. Sie hatte eine Art von Ruf erlangt unddie Neugierde der Reisenden aus sich gezogen. 2hr hübsches Ge«sichtchen that das Uibrige bei der Sache. Kurz sie ist die Fraueines sehr reichen Negozianten oder Capitains der indischen Com-pagnie geworden.

Wenn wir von unfern Spazierritten zurückkamen, fanden wirgewöhnlich schon die zum Diner eingcladenen Personen. Derglei-chen Einladungen erhielten nach und nach der General, der-Oberstedes allsten Regiments, mehrere andere-Offiziers nebst ihren Frauen;der Admiral; die gute, schöne und liebliche Madame Hudson, die