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Sonnabend, am 30. Deeember.
Vor 8 Uhr hatte mich der Kaiser rufen lassen. Während ersich ankleiden ließ, fuhr ich im Vorlesen der gestern erhaltenenSchriften fort. AlS er gekleidet war, ging er aus, spazierte nachden Ställen zu, verlangte sein Pferd und ritt mit mir, währendman die des übrigen Gefolgs aufzäumte, allein hinweg. Wir stri.chen ohne Plan umher. Als wir an einem Felde, welches manbearbeitete, ankamen, stieg der Kaiser vom Pferde, nahm znm gro>ßcn Erstaunen dessen der ihn handhabte, den Pflug und zog selbsteine sehr lange Furche. Dann stieg er wieder zu Pferde und wiestreiften aufs Gerathcwohl in der Nachbarschaft umher. Nachund nach fanden sich der General Gourgaud und die Pikeurs beiihm ein.
Nach der Rückkehr wollte der Kaiser im Garten unter einemBaume frühstücken, und wir mußte» bei ihm bleiben. Beim Rei-ten hatte er uns gesagt, daß er uns ein kleines Geschenk machenwolle. Allerdings sehr unbedeutend, setzte er hinzu, aber alleshänge von den Umstanden ab, und in unfern hier sei es für ihndas Scherflcin der Wittwe. Es bestand in einem Monatsge-halte für jeden von uns, den er unS anszuzahlen anbcfohlcn hatte.Freilich aber mußte er von einer nicht sehr starken Summe genom-men werden, die wir der englischen Wachsamkeit entzogen hatten,
und welche die einzige Hülfsquelle für Napoleon blieb. Man kannleicht denken, wie thencr uns dieses Geschenk war, auch benutzteich den ersten Augenblick, wo ich mich mit dem Kaiser allein be-fand, um ihm meine Ansichten darüber zu eröffnen, so wie meinenpersönlichen Entschluß, von seiner Wohlchat keinen Gebrauch zumachen. Er lachte gewaltig darüber und sagte, als ich darauf bc-harrte, indem er mich am Lhre zupfte: „Nun wohl, wenn Sie
rs nicht nöthig haben, so heben Sie cs mir auf, ich weiß dann
wo ick etwas finde, wenn ich's brauche."
Nach dem Frühstück ging der Kaiser in seine Innern Zimmer,und ich mußte ihm folgen, um die Zeitungen vollends zu lesen.2ch hatte bereits sehr lange gelesen, als Montholon um Erlaubnißzum Eintreten bitten lies. Er hatte lange mit dem Admiral ge-sprochen, der sehr wünschte, den Kaiser zu sehn. Der Kaiser un-terbrach meine Uiberletzung, ging einige Zeit umher, als ob er nock-schwanke, nahm dann seinen Hut und verfügte sich in den Salon,um dort den Admiral anzunehmen. Dies machte mir sehr großeFreude. Dürfen wir überhaupt aus unscrm feindseligen Zustandeheraustreten, so war ich sicher, daß zwei Minuten von ihm mehrSchwierigkeiten beseitigen würden, alS zwei ganze Tage eines jeden