Druckschrift 
2 (1823)
Entstehung
Seite
116
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Ach, Sire, antwortete ich, das weiß Torr! — „In ^ariS ist sie, jfnhr er fort, heut ist Sonntag 9 Uhr, da ist sie in der Oper." — ^Nein, Sire, dazu liebt sie mich zu sehr, um inS Schauspiel z« ^gehen, während ich mich hier befinde. — „Da sieh: man die i'Männer, sagte der Kaiser lachend, immer vertrauensvoll und leicht,gläubig!" — Dann wendete er sich an den General Gourgaud, 'scherzte ebenfalls über dessen Mutter und Schwester. Diese» istimmte aber das traurig, und Thränen traten ihm in die Augen. 'Der Kaiser sah ihn seitwärts an und sagte auf eine höchst am»». 'thige Art: „Ist es nicht recht schlecht, recht hart, recht tyrannischvon mir, so zarte Saiten auf diese Art zu berühren?" -h

Dann fragte der Kaiser, wie viel ich Kinder habe, wenn undwie ich meine Frau habe kennen lernen. Ich antwortete ihm, daßmeine Frau !m Lebe» meine erste weibliche Bekanntschaft gewesen,unsre Verbindung ein Band sei, das wir schon in der Kindheitselbst geknüpft und daß doch fast alle Begebenheiten der Rcvelu» .kion dazu gehört hatten, um sie zu Stande zu bringen.

Montag am 25. December.

Der Kaiser war gestern nicht ganz wohl gewesen, er war auchheute unpaß und ließ sagen, daß er die Offiziere deS 53sten Re-giments nicht, wie verabredet, sehen könne. Um Mittag ließ ermich rufen und wir laßen einige Kapitel aus den italienischenFeldzügen wieder durch. Ich verglich das von der Schlacht vsnArcole mir einem Gesänge aus der Iliadc.

Einige Zeit vor der Stunde des Diners waren wir alle in sei- ^nein Zimmer um ihm. Man meldete daß angerichtet sei. Da ,schickte er uns fort. Ich war der letzte, er hielt mich zurück ^„Bleiben Sie, sagte er, wir wollen zusammen speisen. Wir si»ddie Alten, lassen Sic die Jungen gehen. Wir wollen eiuauder ^Gesellschaft leisten." Dann wollte er sich anziehn, weil er, wie ersagte, nach Tisch in den Salon zu kommen Willens sei.

*) Der General Gourgaud besaß für Mutter und Schwester eine außer»ordentliche Zärtlichkeit. Auch sie liebten ihn eben so wieder. SeinenSorge für sie ging so weit, daß er in seinen Briefen ikuicn St. He-lena »iS einen köstlichen Aufenthalt schilderte, damit sie sich nur überihn nicht bennruhigten; da gab eS Orangen- und Eiironenwälder,«inen immerwährenden Frühling, mit einem Worte, einen wahrenFcenausenthalt. Und die englischen Minister haben sich späterhinnicht geschämt, Liese unschuldigen Tänschuugen, dieses kindliche Zart-gefühl gegen ihn selbst geltend zu machen l!