Druckschrift 
2 (1823)
Entstehung
Seite
100
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cken Stunden der Unterhaltung mir.ihm genossen, habe dabei vondem Moment, von Ort und Zeit Gewinn ziehen können, habe überdas Glück seiner Kindheit, die Freuden seines Iugendlebens, überdie Bitterkeit seiner jetzige» Leiden mit ihm gesprochen. Auchglaube ich, sein Gemüth bis auf den Grund erforscht zu haben,und kann mir daher so viele Dinge, die sonst manchem »»verstäub-lieh waren, -ezt erklären. 2ch begreife nunmehr, was »nS so osrin Erstaunen setzte und ihn in den Tagen seiner Macht so beson-ders charakterisirte, daß man bei ihm seine Sache nie für ganz ver-loren ersehen durfte, daß, wenn auch seine Ungnade offenbar, wennder Abgrund auch noch so tief war, worein man sich gestürzt sah,doch die Hoffnung nicht verschwand, einst wieder empor zu kommen,daß wer einmal sich in seiner Nahe befand, wie er auch gefehlthaben konnte, wie groß auch das Mißfallen seyn mochte, das ersich zugezogen hatte, doch höchst selten gänzlich verstoßen wurde.Der Kaiser hat im höchsten Grade zwei köstliche Eigenschaften: einengroßen Sinn für Recht und eine natürliche Neigung sich anzn«schließen. Bei den größten Widerwärtigkeiten, bei der höchste»Aufwallung des Zornö, beherrscht ihn dennoch die laute Stimmeder Gerechtigkeit. Man kann stets daraus rechnen, daß er Gründeaufmerksam anhören wird, daß er, wenn man schweigt, sic selbstVorbringen werde, sobald sie sich seinem Geist darstcllen. So ver-gißt er nie die Dienste, die man ihm jemals erwiesen und ebensowenig dasjenige, an was er sich einmal gewöhnt hat. Früheroder später erinnert er sich. Er fragt sich dann selbst, wieviel man nun schon gelitten, findet, daß die Strafe nun lang ge-nug gedauert habe, und läßt dann den von aller Welt Vergessenen,der nicht weiß wie ihm geschieht, oft aus der weitesten Entfernungzu allgemeiner Verwunderung hcrbeihelen. Man kennt eine Mengevon Beispielen dieser Art.

Der Kaiser faßt leicht und ohne viele Worte zu machen rechtherzliche Zuneigung. Hat er sich einmal an Jemand gewöhnt, sodenkt er nicht mehr an die Möglichkeit einer Trennung. Er be-merkt die Fehler, er ist unzufrieden, er tadelt seine eigne Wahl, erzankt aus, aber man hat nichts zu fürchten. ES ist, als ob alleSdas ihn noch fester anzöge.

Es sicht vielleicht sonderbar aus, daß ich diese Züge in demCharakter Napoleons so einfach skizzire. Was man gewöhnlichdarüber geschrieben hat, ist so gesucht; man hat so viel Gegen-sätze, so viel Ausschmückung für nöthig gehalten, und weil es je-dem um den Effekt zu thun war, sich dabei gewaltig den Kopszerbrochen. 3ch hingegen schreibe was ich sehe und was ich fühle.Diese Betrachtung koiinte ich übrigens nicht passender anbringcn.