Sobald diese Beschlüsse vom Kaiser gefaßt waren, sing allesan ganz leidlich von Statten zu gehen und wir befanden uns da-bei auf jeden Fall ungleich besser. Bei alle dem mar doch, soverständig auch der Kaiser zu Werke ging, dadurch der Same derZwietracht gestreut, so daß derselbe hier und da Wurzel faßte undbisweilen hervorkeimcc. Der eine glaubte er habe verloren, derandre wollte seiner Parthel zu viel Gewicht geben, der dritte hieltsich bei der seinigcn für verletzt. Wir waren ja nicht die Gliedereiner und derselben Familie, welche, indessen jedes nach seinenKräften das Seine thut, nur darauf denkt, das Gemeingut zu ver-bessern. Weit davon entfernt, der Nothwcndigkcit Gehör zu gebenund ihr Gebot in Ausübung zu bringen, stritten wir unS vielmehrum die Trümmer unsers ehemaligen Glanzes, um die UiberbleibsekunserS Ehrgeizes.
Als die Anhänglichkeit an die Person dcö Kaisers uns beiihm zusammenbrachte, so hatte hierbei nur der Zufall, nicht dieSympathie der Herzen gewirkt. Wir bildeten einen Verein, derohne alle Wahlvcrwandschast der Seelen entstanden war. Wir hin-gen zu Longwood an einander mehr durch den Zwang des Raums,als durch freiwillige Annäherung. Und wie konnte baS auch wohlanders seyu? Wir waren uns einander alle ganz fremd und un-glücklicher Weise erhielten Verhältnisse, Alter und Verschiedenheitdeö Charakters unS in diesem Zustande.
Die unangenehme Folge davon war, daß wir nnS hierdurch dergrößten Erleichterung in unsrer Lage beraubt sahen. Vertrauen,gegenseitige Mittheilung, jene Herzcnscinigkeic, welche oft dem größ-ten Unglück noch gewisse Reize giebt, war für unS verloren. Vonder andern Seite habe ich aber dadurch manche besondere Eigen-schaften in dem Gemüthe des Kaisers kennen lernen- Dahin ge-hörten seine indirekte» Versuche, die Einigkeit unter uns hcrznstcl-len und unsre Gesinnungen zu verschmelzen; seine unaufhörlicheSorgfalt, jeden wahren Grund zur Eifersucht uns zu ersparen, seineangenommene und wohlberechncte Unaufmerksamkeit bei allen Din-gen, von denen er nichts wissen wollte, und endlich selbst seineväterlichen Strafpredigten, die, wenn wir sie auch, wie ich zu Eh-ren Aller sagen muß, eifrigft zu vermeiden suchten, doch dann undwann statt fanden und nun mit eben der Ehrfurcht ausgenommenwurden, als hätte er sie auf seinem Throne in den Tuilerien ge-halten.
Der auf der Welt kann sich wohl rühmen, den Kaiser alsPrivatmann so genau wie ich zu kennen. 2ch habe zwei Monatein der einsamen Wüste von Vriarö mit ihm verlebt, habe jenelangen Spaziergänge im Mondschein an seiner Seite, jene zahlrci«