Druckschrift 
2 (1823)
Entstehung
Seite
87
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Donnerstag, am 7> Deceniber.

Der Kaiser lies mich schon früh herunter kommen. Er laSdie neue Heloise, machte oftmals dabei Bemerkungen über dieSchönheiten und die Kraft der geistvollem Stellen, und setzte dieseUnterhaltung über zwei Stunden fort. Ans mich machte diese Lektüreeinen tiefen Eindruck, sie versetzte mich in eine schmerzliche undzugleich süße Schwermuth. Dieser Roman hat stetö viel Anziehen«des für mich gehabt, immer schöne Erinnerungen in mir erweckt,und dabei manchen Kummer ansgercgt.

Der Kaiser lächelte einigemal über mich, und bei dem Früh«stück wurde das Buch der Gegenstand unseres Gesprächs.

Rousseau hats übertrieben, sagte der Kaiser, er hat den Wahn-sinn gemalt. Die Liebe muß ein Vergnügen bleiben, und nicht zueiner Marter werden. Ich meinerseits behauptete, was er gesagthabe, sei keineSwegeö der Wahrheit zuwider, und selbst, was er,der Kaiser, Marter nenne, könne ein glücklicher Zustand seyn.Ich sehe wohl, sagte er lachend. Sie haben einen Anstrich vonSchwärmerei. Hat Sie das auch glücklich gemacht k"2ch be-klage mich nicht über mein Schicksal, Sire! antwortete ich ihm,»nd wenn ich noch einmal leben sollte, möchte ich kein anders."

Nach dem Frühstück setzte der Kaiser das Lesen fort, und jeweiter wir dabei kamen, je mehr hielt er von Zeit zu Zeit innen. DerZauber des Inhalts hatte auch sein Gemüth erreicht. Endlichlegte er das Buch aus der Hand, und wir gingen nach demGarten.In der That, sagte er unterwegs, das Buch machtwarm, cS bringt das Gemüch in Bewegung und Unruhe." DerGegenstand wurde recht gründlich verhandelt, wir haben ein Langesund Breites darüber gesprochen, und das Resultat davon war,daß wir übereinkamen, die wahre, vollkommene Liebe sei das idealeGlück: beides aber sei nun wieder, eins wie das andere eben soätherisch, eben so flüchtig, eben so geheimnisvoll und unerklärlich,und daß übrigens die Liebe die Beschäftigung des Müßigen, dieZerstreuung des Kriegers, die Klippe deS Fürsten sei.

Der Großmarschall und Gourgaud kamen an, sie waren inLongwood gewesen. Seit einigen Tagen trieb es der Admiralsehr, nns dahin zu schicken, und der Kaiser verlangte eben so sehr,sich dahin zu verfügen, denn er befand sich gar zu schlecht inBriars. Es fragte sich nun, ob der Farbcngcruch es ihm gestatte,da es ihm nach seiner Natur ganz unmöglich war, ihn zu ertra-gen. In seinen kaiserlichen Pallästen hatte er sich dem niemalsausgcsetzk. Oft hatte inan aus seinen Reisen deshalb seine vorge-tichtete Wohnung schnell umändern müssen, und auf dem Northum«