Druckschrift 
2 (1823)
Entstehung
Seite
71
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Der Kaiser ißt sehr unregelmäßig und im Allgemeinen äußerstwenig. Er sagt oft, daß inan sich leicht durch zu viel essen und niedurch wenig z» essen schaden dann. Er ist im Stande, Vier undZwanzig Stunden gar nichts zu sich zu nehmen, bloß uin für dennächsten Tag seine Eßiust z» wecken. Er trinkt noch weniger alscr ißt. Ein einziges Glas Madera oder Champagner ist hinrci»chend, um ihm srische Kräfte zu geben, oder ihn selbst vergnügtzu machen. Er schlaft gar nicht viel und zu sehr unbestimmtenStunden, steht bei dem ersten Erwachen aus um zu lesen oderzu arbeiten und legt sich dann wieder schlafen.

Der Kaiser hält nichts auf Medizin und nimmt niemals etwasein. Er hat sich selbst ein System hierüber gebildet. Sein großesEeheimniß bestand, wie er sagte, lange Zeit darinnen, daß er eineArt von Ausschweifung im entgegengesetzten Sinne von dem bc.ging, was eben seine Gewohnheit war. Er nennt es: Das Gleich»gewicht der Natur wieder Herstellen. Wenn er demnach einige Zeitganz ruhig zugcbracht harre, so machte er plötzlich einen Ritt vonSechzig Meilen, eine Jagd von einem ganzen Tage.

Wenn er dagegen von den größten Beschwerden und Mühselig,keilen einmal recht erschöpft war, so zwang er sich zu Vier undZwanzig Stunden gänzlicher Ruhe. Eine solche unvorbereiteteschnelle Veränderung verursachte eine innere Krise, welche sogleichdas erwünschte Resultat herbciführtc. Er sagt: ES sei) ihm niemiölnngen.

Das Lymphsystem deS Kaisers ist zu dick, sein Blut fließt zulangsam. Aber die Natur hat ihn mit zwei Vorzügen von gro-ßem Wcrthe beschenkt. Der eine ist, daß er, sobald er der Ruhebedarf an jedem Orte und zu jeder Zeit cinschläft, undder zweite, daß ihm gar nicht möglich ist, Im Essen oder imTrinken schädliche Ausschweifungen zu begehen.Wenn ich nurIm mindesten mehr, als meinen gewöhnlichen Trunk Wasser 'zu mirnehmen wollte, sagte er, so würde mein Magen, was zu viel ist,gleich wieder auswerfen." Er übergiebt sich sehr leicht; ein blo-ßer Hustenreiz macht bisweilen, daß er sein Mittagsessen wiedervon sich gicbt.

Sonntags, am 26 . bis Dienstags, am 28 . November.

Am 26 . zog sich der Kaiser sehr zeitig an; er befand sichvollkommen wohl und wollte auögehen, weil das Wetter sehr schönwar und man seit Drei Tagen sein Zimmer nicht in Ordnung ge»bracht hatte. Wir besuchten den Garten um unter dem BogengängeZ» frühstücken; er war sehr munter und dsö Gespräch lenkte sichauf vcrsichiedne Gegenstände und Personen.