j Nie, in keinem Feldzüge, vielleicht in keiner Lage seines Lebens
- hat der Kaiser eine so kleine Wohnung gehabt, nie an so vielenil Dingen Mangel gelitten. Der ganze Raum- den er innen hatte,^ bestand in einem einzigen Zimmer im Erdstock von ziemlich vier-.» eckiger Form mit zwei Thüren, einander gegenüber und zwei Fcn-k stcrn in jeder der perpendikulär hinlaufcnden Seitenwändc, übrigensr ohne Vorhänge, ohne Laden und kaum ein Stuhl vorhanden,s Der Kaiser war ganz allein In diesem Augenblicke. Seine beiden, Kammerdiener waren nach einen Bett gegangen, Las sie sür ihn? ausschlagen wollten- Es siel ihm ein, ein wenig zu gehen, allein
cs gab von keiner Seite des Häuschens gleichen Boden, der Hü-i ^ gel bestand rundum nur aus großen Stein - und Felsenstücken.
Er nahm meinen Arm und begann recht aufgeräumt mit mir zu!: scherzen. Inzwischen war die Nacht angebrochen, ringsum tiefe
! ^ Stille und die größte Einsamkeit. Welche Menge von Gefühlenbemächtigte sich in diesem Moment meiner Seele. 2ch befandmich also ganz allein, und säst in dem Zustande der Familiaritätmit dem Manne, der die Welt regiert hatte, ja — um alles inx Ein Wort zusammen zu fassen — mit Napoleon!!! Will man csk aber begreifen, was jezt in mir vorging und was ich empfand, dann» muß man sich freilich in die Zeit seiner Allmacht versetzen, in dieTage, wo sein Beschluß hinreichend war- Throne umzustürzen undKönige zu schaffen! Man muß zurückdenken an die Empfindun-gen, wovon in den Tuillcricn alle durchdrungen waren, die ihn dortumgaben; die scheue Verlegenheit, die tiefe Unterwürfigkeit, womitseine Minister und seine Offiziere sich ihm nahten; die Acngstlich-keit- die Furcht der Ambassadeurs, der Fürsten und selbst derKönige! Meine Gesinnungen waren jezt noch immer die nämlichen!
Als der Kaiser sich niederlcgen wollte, sahen wir, daß an der Seitedes Bettes, säst in gleicher Höhe mit seinem Gesichte ein unbedecktesk Fenster war. Wir versetzten cs daher, so gut wir nur konnten, um ihnL gegen die Luft zu verwahren, weil er dafür sehr empfindlich ist und beis dem leisesten Zugwind Schnupfen oder Zahnweh bekommt. 2chselbst verfügte mich dann in den ober» Raum des Häuschens, un-mittelbar über dem Kaiser, ein Plätzchen von sieben Fuß im Oua-
- drat- wo nichts zu finden war als ein Bett, nicht einmal einStuhl. Hier war mein Nachtlager; sür meinen Sohn wurde eineMatratze auf den Fußboden gelegt. Hatten wir uns wohl zu be-
k klagen? Dir waren dem Kaiser so nahe, hörten den Ton seinerA Stimme, vernahmen selbst seine Worte! —
« Seine Kammerdiener schliefen aus bloßer Erde, quer der Thürx gegenüber in ihre Mantel gehüllt.