Vorrede.
^ie außerordentlichsten Verhältnisse banden mich lange an denaußerordentlichsten Mann der Jahrhunderte.
Bewunderung hieß mich ihm folgen, als ich ihn noch nichtkannre, und Liebe fesselte mich auf ewig an ihn, sobald ich ihnkennen gelernt hatte.
Voll seines Ruhms ist der Erdkreis, voll seiner Thaten, seinerDenkmale, aber niemand kennt die wahren Zuge seines Charakters,seine persönlichen Eigenschaften, die ächten Neigungen seines Gc-müthS. Diese große Lucke auszufüllen, unternehme ich hier, unddies mit einem Vorzüge, der vielleicht einzig ist in der Geschichte.
Denn ick habe wahrend achtzehn Monate, die ich mit ihm ver-lebte, Tag für Tag alles was ich von Napoleon sah, was ich ihnsagen hörte, gesammelt und niedergeschrieben. Und in diesen Un-terredungen, die er mit völliger Hingebung, als ob er schon einWesen einer andern Welt wäre, hielt, muß er sich doch selbst wie auseinem Spiegel, in allen seinen Beziehungen, nach allen Ansichtengemalt haben. Wenn es jczt jeden frei steht, ihn zu studiren, sosind wenigstens die Materialien dazu nicht mehr der ZrrthümerGrund.
Alles was ich hier mittheile, ist noch nicht geordnet, noch ziem-lich verworren und blieb fast ganz in dem Zustande, wie ichS anDrt und Stelle nicderschricb. Als ich es vor kurzem aus denHänden der englischen Regierung endlich zurück erhielt, wollte ichanfangs den Versuch machen, es umzuschmelzen, ihm irgend eineGestalt und Gesammtheit zu geben, aber ich mußte bald daraufverzichten. Einerseits untersagte mir der Zustand meiner Gesund-heit jede Arbeit, andrerseits drängte mich die Zeit. Ich sah dieschnelle Veröffentlichung meiner Sammlung als eine heilige Pflichtfür daö Andenken dessen an, den ich beweine, und so eilte ich, umnur der Ankunft sicherer zu seyn. Auch meine Zeitgenossen habenSchuld an dieser Eile. Es lag mir am Herzen, denen, die ihngeliebt haben, eine Freude zu machen, die, welche ihm feindlich ge-sinnt blieben, zur Achtung zu zwingen. Noch ein dritter, undnicht der unbedeutendste Grund war der, daß wenn sich jemanddurch meine Schrift verletzt fühlen sollte, er noch Gelegenheit habesich zu vercheidigen. Dann wird das Publikum Richter und dieWahrheit der Geschichte noch geheiligter seyn.
Passy, am 15. August 1822.
Der Graf Leon Las Cafes.