Druckschrift 
3 (1841) Von 1688 bis 1739
Entstehung
Seite
533
Einzelbild herunterladen
 

533

Die Königin Sophia.

ihr Vater, König Georg I., seinen Schwiegersohn mit mehrals gewöhnlicher Aufmerksamkeit behandelte'). Der Königwar damals durch Kränklichkeit und den Vorfall mit Clementhypochondrisch geworden und lebte ganz gegen seine frühereGewohnheit sehr zurückgezogen, zeigte sich selten öffentlich undspeiste nur mit seiner Gemahlin und seinen Kindern. DenVorschlag, welchen ihm Leopold von Dessau und Grumbkowmachten, seine älteste Tochter mit Leopolds Neffen, dem Mark-grafen von Schwedt, zu verheirathcn, nahm er so kalt aufund die Königin begegnete ihnen Beiden so stolz, daß sie fürch-teten, des Königs Gunst völlig zu verlieren, und sich daherbemüheten, den ihre Besorgnisse erregenden Einfluß der Kö-nigin zu untergraben. Durch Klätschereien, besonders durchaufgefangene und geöffnete, sowie durch in der ClementschcnSache mit Beschlag belegte Briefe gelang es ihnen wirklich,den König so aufzubringen, daß er den Minister v. Kameckeund die Frau v. Blaspiel nach Spandau schickte, den Ministerv. Blaspicl absetzte, und der Königin, obgleich diese sich ingesegneten Leibesumständen befand, sehr rauh begegnete *).Ueberhaupt fanden ungeachtet der Einfachheit des Hofes un-ter denen, welche Einfluß suchten oder behaupten wollten,so viele Umtriebe statt, als an anderen Höfen. Das lag zu-nächst an der Persönlichkeit des Königs und der Königin, so-wie an dem Verhältnisse, in welchem Beide zu einander stan-den. Die Königin war, seitdem ihr von den Günstlingenihres Gemahls ein so arger Streich gespielt worden war, sehrauf ihrer Hut gegen sie, denn der König gestattete ihr so we-nig Einfluß, daß er (1721) ihr nicht einmal mehr die Wahlder Erzieherin ihrer ältesten Tochter überließt). Den Stolzder Königin verletzte, das Selbstgefühl der Mutter kränkte eineso unbillige Beschränkung ausserordentlich. Ihr Ehrgeiz strebtenach Erhöhung des Ansehens und der Macht Hannovers undPreussens, die ihr fast gleich nahe standen; daher, wie aus

1) IVlämoires äs Lareitd I p> 30.

2) Ebendas, x. 38.

3) Ebendas, p. 65.