Druckschrift 
3 (1841) Von 1688 bis 1739
Entstehung
Seite
526
Einzelbild herunterladen
 

526

Buch VI. Drittes Hauptstück.

er äußerst eifersüchtig auf den ihm gebührenden Rang, empfand leine auch nur äussere Verletzung hergebrachter Form der Höf- !lichkeit sehr übel^), und nahm die sorgfältige Beachtung der- !selben sehr hoch auf^). In dem, was sein Ansehen bei An- ^deren erhöhen konnte, verschmähte er sogar den Schein nicht, >dem er doch sonst so abhold war. Als der Zaar Peter (1717)mit seiner Gemahlin von Amsterdam durch die preussischenStaaten nach Rußland zurückreiste, wies er 6000 Thaler zurBezahlung der Reisekosten von Wesel bis Memel an und be-fahl, damit so zu wirthschaften, daß es ausreiche: ,,Nit einenPfennig gebe mehr dazu, aber vor der Welt sollen sie von30,000 bis 40,000 Thalern sprechen, das es mir koste!" Inder That betrugen die Kosten aber nur wenig über 3000 Tha-ler ^). Er vergaß es auch den Polen nicht, daß sie ihm denköniglichen Titel verweigerten. Dabei wurde er nach und nachhöchst argwöhnisch. Sehr aufmerksam auf die unbedeutendstenKleinigkeiten, dabei unterstützt von einem ausserordentlichenGedächtnisse, musste er oft bemerken, daß nicht Alles, was erbefohlen, oder doch nicht so geschah, wie er es angeordnet.Anfänglich war daran wohl die unter seinem Vater überalleingerissene Nachlässigkeit der Beamteten Schuld, welche Fried-rich Wilhelm oft entdeckte, streng rügte, immer wieder fandund dann strafte, wie wir das in jedem Zweige der Verwal-tung gefunden haben. Ausserdem war es nicht selten, daß derKönig bei seiner ungemeinen Heftigkeit sehr übereilt etwas ver-bot oder befahl, was er später gern zurückgenommen hatte,daher so lange übersah, wenn es nicht eben beobachtet wurde,bis er das bei einer neuen Aufwallung des Zorns als Hüge-

ls Seckendorf an denKaiser 1. Aug.1726 bei Förster Urkundend. II.S. 116, daß der Krontractat (v. 1700) wegen des Ceremonials demKönige ein wenig empfindlich,wett derselbe ohnerachtet der affectirtenDemuth und familiären Umgangs, eine solche Hoheit und Respect im Kopfehat, daß man in diesen Stücken ihn nicht wucheren muß, maßen er seineJalousie nicht bergen kann, wo man ihn im Ceremom'al geringer alsandere Könige tractircn wollte".

2) Der König an Seckendorf 2Z. Aug. 1718.

3) Bei König H. S. 46.