525
Friedrich Wilhelm I.
? tigen Würdigung der Verhältnisse und zu dem daraus hcrvor-gehenden sicheren Ergreifen des Augenblicks, um sich die Um-- stände dienstbar zu machen und aus ihnen für seinen Staat
den möglichst größten Vorthcil zu ziehen. Er handelte hierohne bestimmten Plan und warf sich bei seiner natürlichen1 Heftigkeit, durch Eindrücke des Augenblicks bewogen, schnell
I von einer Seite auf die andere. Daher ließ er sich auch hier
^ nicht durchaus von Anderen leiten'). Er fühlte sich, wie wir
t gesehen haben, überall in seinen Staaten als unbeschrankten
z Herrn, und man würde sehr irren, wenn man aus seinem
^ einfachen Wesen und aus der Ungezwungenheit, mit welcher
er wie ein damaliger Landjunker auftrat °), sogleich schließenwollte, er habe wirklich keine Ansprüche gemacht. Ein so ein-faches Aeussere entsprach seiner Natur und Bildung; er ent-ledigte sich damit völlig eines zunächst ihm unbequemen Zwan-ges, während er seinen Umgebungen nichts gestattete, was erirgend für eine Verletzung der ihm als Könige gebührenden^ Achtung hätte halten können. Diese waren indessen, ausser
den fremden Gesandten, seine Unterthanen, denen er manchederbe, jetzt für unanständig oder grob geltende Acusserungnachsah, weil er gar nicht daran dachte, daß sein Ansehendarunter leiden könne, was auch wirklich gar nicht der Fallwar. Mit viel größerer Vorsicht mussten ihn Fürsten behan-deln, um so mehr, je mächtiger sie waren. Gegen sie hielt
1) Der General Schulenburg drückt das sehr bestimmt gegen Grumb«kow in einem Briefe an Grumbkow vom 22. Oct. 1731 aus bei FörsterThl. III. S. 74: IIn komme, gnl ns ss Aouverns gus pur In Passion,se rexsnt presgus toujours cle cs gu'il n kalt. Er verlangte blindenGehorsam, und wenn dieser geleistet wurde und die Angelegenheiten än-derten sich, so verwünschte er die, welche ihn nicht zurückgehalten hatten.Vergl. Seckendorf an Eugen bei Förster Thl. III. S. 144. Ueberdie Veränderlichkeit des Königs klagen seine Umgebungen häufig. Secken-dorf im I. 1726 in Försters Urkundcnbuch II. S. 59, 65 u. 153.Derselbe sagt 1. Apr. 1727: auf den König könne man nie gewiß rech-nen, er changire in einem Tage viclmal sein Sentiment. Bei FörsterHöfe und Cabinete Urkunden. Thl. I. S. 69. Ebenso der englische Ge-sandte in Räumers Beitr. Thl. III. S. 511, 512 u. 555 v. I. 1730.
2) Vortrefflich geschildert vom Grafen Manntcufel 30. Aug. 1731an Grumbkow in Seckendorfs Leben Thl. IV. Anhang S. 336.