522 Buch VI. Drittes Hauptstück. ^
den gegen die eingegangenen Vertrage, die Belehnung desDon Carlos mitParma und Piacenza und gab (19. Dec. 1722),zum großen Verdrusse der Holländer und Engländer, einer inOstende errichteten Handclscompagnie auf 30 Jahre ein aus-schließliches Privilegium zum Handel mit Ost- und Westindienund den afrikanischen Küsten. Deshalb wurde der Congreßerst im I. 1724 eröffnet und es erhoben sich bald so großeSchwierigkeiten, daß man an einem günstigen Ausgange derUnterhandlungen zweifeln musste. Da brachte es zunächst eingewandter politischer Abenteurer, ein gewisser Ripperda, eingeborener Holländer, welcher in Staatsgcschäften seines Vater-landes nach Spanien geschickt worden war und hier dieGunst König Philipps V. gewonnen hatte, plötzlich dahin,daß ein Wechsel in dem politischen Systeme der europäischenStaaten eintrat. Ripperda war vom Protestantismus zumKatholicismus übergetreten, wie er später Muhamedaner wurdeund zuletzt Stifter einer neuen Secte werden wollte. Einsolcher Mensch war fähig, Alles zu unternehmen, was seinemEhrgeize eine Laufbahn öffnete. Die Königin von Spanienwurde ungeduldig über die Zögerungen in Cambray und mis-trauete Frankreich, wo eine Hofpartei ihr sehr entgegen war.Daher wurde (Nov. 1724) Ripperda nach Wien geschickt, woer höchst geheim mit dem Kaiser Karl VI. verhandelte. Karlhatte schon mehrere Jahre vorher (19. Apr. 1713) auf Grund-lage der bereits von seinen Vorfahren getroffenen Bestimmun-gen, die österreichische Erbfolgeordnung in ein, seiner Absichtnach unauflösliches Hausgefetz, daher pragmatische Sanctiongenannt, bringen und in seinem Staatsrathe förmlich bekanntmachen lassen. Nach diesem Gesetze sollten die gesammtenösterreichischen Erblande ungetheilt auf seine männlichen undin deren Ermangelung auf seine weiblichen Nachkommen fallen.
Ein Sohn, der ihm geboren wurde, starb, zwei Töchter, derenälteste Maria Theresia war, blieben leben. Dem für den >
Glanz seines Hauses wie besonders auch für seine älteste Toch-ter sehr besorgten Vater war von jetzt während seines übrigenLebens nichts wichtiger, als ihr die Nachfolge in allen seinenStaaten zu sichern, da nach und nach die Hoffnung, einenmännlichen Erben zu erhalten, immer mehr schwand. Er ließ