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Die europäischen Staaten.
um so leichter schießen ließ, weil er überhaupt sah, daß augen-blickliche persönliche Interessen der Fürsten fortwährend dieRuhe Europas erschütterten. Wenigstens hat die Darstellungdieser Verhältnisse Preussens, so viel Unangenehmes und Wi-driges ihr auch beigemischt sein mag, doch einen im innerstenGrunde edlen und spater leuchtend sich erhebenden Kern, wah-rend das Treiben der übrigen Höfe meistens nur die nackteArmseligkeit des alltäglichen Lebens zeigt.
Mit dem Jahre 1720 schien allgemeine Ruhe unter deneuropäischen Staaten einzutrcten. Das erschöpfte Schwedenhatte endlich überall den Frieden mit größeren oder geringerenOpfern errungen und hörte nun auf, in Europa Eifersuchtund Furcht zu erregen. Gegen Spanien, welches (1717) demKaiser Sardinien, und ein Jahr darauf (1718) dem Herzogevon Savoyen Sicilicn genommen, waren England und Frank-reich zu Wasser und zu Lande so kräftig und erfolgreich einge-schrittcn, daß König Philipp V. sich den Bedingungen derQuadrupelallianz ^) (26. Jan. 1720) unterwarf, Sardiniendem Herzoge von Savoyen als Könige, Sicilien aber dem Kaiserübergab und dagegen für Don Carlos, seinen ältesten Sohnzweiter Ehe, die Anwartschaft auf die mit dem Tode des In-habers zu erledigenden Herzogthümer Toscana und Parma er-hielt. Gleich darauf (13. Juni 1721) verbündete sich Phi-lipp V., angetrieben von seiner Gemahlin, mit seinen bishe-rigen Feinden, Frankreich und England, und leitete eine Dop-pelheirath ein, um die Familienbande mit dem jungen KönigeLudwig XV. und dem Hause Orleans möglichst fest zu knüpfen.Die zwischen Spanien und Oesterreich seit 20 Jahren schwe-benden Streitigkeiten sollten, weil beide noch keinen Frieden^ geschlossen, sondern nur einander zu bekriegen aufgehört hatten,alsbald auf einem Congresse in Cambray ausgeglichen werden^).
Der Kaiser verzögerte indessen unter mancherlei Vorwan-
1) Zwischen Frankreich, England und dem Kaiser vom 2. Aug. 1718,wozu die Generalstaaten 16. Febr. 1719 traten.
2) Eine gute Uebersicht der politischen Verhältnisse gibt Schöll inseiner Ausgabe von Xoclis Listoirs äss traite» äs kaix etv. 1. II.p. 183 ff. mit Angabe der Quellen.