Druckschrift 
3 (1841) Von 1688 bis 1739
Entstehung
Seite
297
Einzelbild herunterladen
 

Kurland.

297

während dieses sich weigere, die von seinen preussischen Un-terthanen vorgestreckten Kapitalien und Interessen zu bezahlen,wogegen er habe strenge Maßregeln ergreifen müssen. Auchwegen Kurlands werde in Polen verbreitet, der König wollees mit Preussen verbinden; er versichere dagegen, daß weder beiLebzeiten noch nach dem Tode des Herzogs Ferdinand dem Kö-nigreiche Polen etwas von Kurland und Semgallen solle entrissenwerden und in einem besonderen Vertrage mit dem Zaare sei aus-bedungen, daß keiner von ihnen sich eine Oberherrschaft über dasHerzogthum je anmaßen solle; er hoffe auch, daß man nach derErledigung Kurlands auf die großen, mehrere Millionen betragen-den Ansprüche seiner durch Abstammung und Verheirathung mitdem kurlandischcn Herzogshause mehrfach verbundenen Verwand-ten Rücksicht nehmen werde. Daß man die Stande von Kurlandangegangen, sei nicht unerhört, wie er nachwies; daß aber diePolen das Herzogthum, wie sie 1589 beschlossen, auflösenwollten, sei gegen den Unterwerfungsvertrag desselben, wonaches ein Herzogthum bleiben müsse. Preussen habe die Vertragemit Polen unverletzt gehalten, wogegen dasselbe feindseligerWeise unter ganz nichtigen Vorwanden die königliche Würdenicht anerkannt habe, welche doch in den Beziehungen zu Po-len nichts geändert hatte. Er rüste, weil er öffentliche undgeheime Feinde habe, welche das Glück und Wachsthum sei-nes Hauses mit neidischem Auge ansahcn, gebe aber sein kö-nigliches Wort, daß er der polnischen Nation nie den gering-ringsten Schaden zufügen werde ^).

Dann (28. April) antwortete Friedrich Wilhelm auf Kö-nig Augusts Schreiben (vom 16. Marz) und übcrschickte einExemplar der von ihm erlassenen Erklärung, zu deren Be-kanntmachung er sich wegen der in Polen über ihn verbreite-ten Jrrthümer genöthigt gesehen. Uebrigens beschwerte er sichüber die Beschuldigung, daß er Kurland für sich erwerbenwolle, so wie über die Aeußerung: man könne das Aufneh-men des Hauses Brandenburg nicht ertragen, und daß am Endedes Schreibens König August „von seinen und des Königs gje-

1) Die preußische Ablehnung der Beschuldigungen u. s. w. bei Faß-manu I. S. L4L.