Beendigung des Krieges. Politik. 279
die Verbündeten bisher vereinigt hatte. Wirklich trennten sichdiese auch, sobald ein jeder von ihnen seine Zwecke erreicht,Preussen nämlich Stettin und die Odermündungen, Hannoverdie Herzogtümer Bremen und Verden erhalten hatte'). Kö-nig August, beschäftigt mit den inneren Unruhen Polens, thatauch nichts mehr gegen Schweden, seitdem er es nicht weiter zufürchten hatte. Nur der Zaar und Dänemark wollten noch mehrerobern, Beide mussten noch vor der Rache Karls besorgt seinund blieben daher allein ihm gegenüber gcwaffnet auf demPlatze. Der braunschweiger Congreß blieb ohne Ergebniß,keinem Theile war es rechter Ernst gewesen und das warf nuneiner dem andern vor^). Jetzt, nachdem nun Schweden kei-nen Fuß breit Landes mehr im deutschen Reiche besaß, hörtehier der Krieg von selbst auf. Der Congreß selbst war über-flüssig geworden. Preussen drückte dem regensburger Reichstagesein Erstaunen aus, daß Schweden über den Verlust seinerdeutschen Provinzen so großes Aufhebens mache, da cs dochfrüher geäuffert, sie wären ihm mehr zur Last als zum Vor-teile und es behalte sie nur, um die Dänen im Zaume zuhalten ^).
Es trat jetzt nicht nur bei den nordischen Verbündeten seitdem Sinken der schwedischen Macht, sondern bei den europäi-schen Staaten überhaupt, seitdem nach Beendigung des spani-schen Erbfolgckrieges und dem bald darauf erfolgten Tode Lud-wigs XIV. alle Besorgnisse vor der Uebermacht Frankreichs ver-schwunden waren, für ein halbes Jahrhundert eine solche Wan-delbarkeit der politischen Verhältnisse ein, wie sie bis dahinnicht gesehen worden war. Die Politik der meisten größeren
1) Darüber klagte die russische Denkschrift bei ld,amdert.^ IX.x. 628. Nun sie mit russischer Hülfe erhalten, was sie gewollt, thätensie nichts mehr.
2) Nartinlers I. p. 281.
s) Ebendas, x. L8S. Bei Förster II. S. 46 ist ein Verzeichnißder Kriegskostcn des Feldzugs v. I. 1715 für Preussen, indcß wird mandaraus kaum mit Sicherheit entnehmen können, wie hoch sie sich wirklichbelaufen, doch ergibt sich, daß 200,000 Lhlr. an den Zaar und 400,000Thlr- an den König August gezahlt, ausserdem auch bedeutende Ge-schenke gemacht wurden.