222 Buch V. Zweites Hauptstück.
im I. 1702 in einem Schreiben an seinen Freund La Croze:uns lies plus Keiles bibliotlrvgiies llo I'Lurope. Durch eineVerfügung (vom 16. Oct. 1699) wurden alle Buchhändler desStaats verpflichtet, zwei Exemplare der von ihnen verlegtenWerke an die Bibliothek abzuliefern '). Im I. 1706 warenzehn privilcgirte Buchdruckcreien in Berlin mit vielleicht zwan-zig Pressen, welche wohl ziemlich für die gesammten literari-schen Erzeugnisse der Mark ausreichten, indem sich in denübrigen Städten selten Buchdruckereien befanden. Bereits imI. 1696 durften sie nichts ohne Vorwissen eines SecretairsFischer drucken, des, wie es scheint, ersten hiesigen Sensors^).Ausser durch königliche Unterstützung, oder indem sich einzelneGelehrte gewissermaßen selbst für ihre Bestrebungen aufopfer-ten, erschienen indessen nur sehr wenige wissenschaftliche Werke,weil diese keinen Absatz gefunden haben würden. Leichenpre-digtcn, Trauer-, Hochzeits- und andere Gelegenheitsgedichtewurden zahlreich auf Kosten der Verfasser oder vornehmer Leutegedruckt; theologische Streitschriften und Predigten mochtennoch am meisten gekauft werden ^).
Die Stelle eines Historiographen erhielt nach des berühm-ten Pufendorf Lode (1694), Teissi'er, ein französischer Emi-grant, mit 500 Thalern Besoldung. Er gab eine kurzeGeschichte der Markgrafen von Brandenburg in Fragen undAntworten heraus (Berlin 1705), übersetzte auch des CernitiusLeben der Markgrafen von Brandenburg (1707) und Pufen-dorfs Leben des großen Kurfürsten in das Französische. SeinNachfolger war Karl Ancillon. Den Titel, und mehr wareigentlich das Amt überhaupt nicht, führten noch der Lehrer desKönigs Friedrich, Johann Friedrich Cramer, der berühmteJohann Peter von Ludwig und der nachher so berüchtigte I.Paul Gundling *). Im Ganzen hat diese Anstellung von Histo-riographen seit Pusendorfs Tode deshalb verhaltnißmaßig wenigfür die Geschichte des Staats genützt, weil, abgesehen von der
1) Wilkcns Geschichte der königlichen Bibliothek S. 43 ff.
L) Königs Berlin III. S. 71.
3) Königs Berlin Ol. S. 337 f.
4) Lrmen Sophie Olisrlotte p. 189.