Die Königskrone. Unterhandlungen. — Vota. 89
streitig wurde König August von Polen für den Entwurf ge-wonnen und das mag dessen Beichtvater, dem Jesuiten VotaVeranlassung gegeben haben, eine Denkschrift darüber abzu-fassen ').
Vota war ein Mann von ausgezeichneten Talenten, Men-schenkenntniß und Gewandtheit, zugleich eitel genug, diese Ei-genschaften gern geltend zu machen, was am besten bei Unter-handlungen geschehen konnte, deren Durchführung er dann alsEhrensache betrachtete und sie um so eifriger betrieb. KönigJohann III. Sobieski hatte ihm die Erziehung seiner Söhneübergeben und ihn schon seit dem Jahre 1685 zu wichtigengeheimen Staatssendungen gebraucht, so daß er sich bald inWarschau, bald im Lager am Ufer des Dniester, in Rom undNeapel oder in Wien befand. Es ist wohl möglich, daß erauch Berlin besucht hatte; sicher waren ihm die innern Ver-hältnisse des kurfürstlichen Hauses und Hofs bekannt genug.Vota setzte in einer Denkschrift die Vortheile auseinander,welche die Annahme der Königswürde für Friedrich III. habenwürde. Der Zweck dieser Denkschrift scheint erstens darin be-standen zu haben, den Kurfürsten zu veranlassen, nicht denTitel eines Königs von Preusien, was wie sich voraussehen ließin Polen lebhaften Widerspruch finden und auch den KönigAugust verhasst machen würde, sondern den eines Königs derVandalen oder der Wenden zu wählen, vielleicht auch weildas einen Zwiespalt mit den evangelischen Reichen Schwedenund Dänemark hätte herbeiführen und dadurch die im Nordenentstehende brandenburgische Macht sogleich isoliren und hindernmüssen, sich jemals gegen Polen und den Kaiser zu erklären.
Der zweite noch wichtigere Hauptpunct der Denkschriftging aber darauf hinaus, daß der Kurfürst die königliche Würdenicht vom Kaiser, sondern vom Papste annähme ^). Der
1) Pater Vota, vonNicolai, inBiesters neuer Berliner Monats-schrift November 1799, S. Z45. Doch hat dieser den Hauptpunct der Vor-schläge, daß Friedrich sich solle vom Papste die königliche Würde ertheilenlassen, nicht angeführt. Ueber Vota's Vcrhältniß zur Familie Sobieskihabe ich die Nachrichten aus dem Sobieskischen Familien-Archive entlehnt.
2) Dies war bisher, so viel ich weiß, völlig unbekannt, ist mir aberals völlig zuverlässig mitgetheilt worden.