Ich war kein Kriegsgefangener, sondern mir ein Verhafteterin den Händen des Gerichts. Mich Acht Monate lang von mei-nen Nichrern entfernt zu halten, ist eine Rechtsverweigerung, dieman bei Ihnen schauderhaft finden würde; mich ohne Urthcil undRecht zu strafen, ist eine Tyrannei, die nach Ihren Gesetzen höchstempörend ist. Und waS foderte ich denn von Lord Somerset?
Die Freiheit? — Nein! er sollte mich nur als Gefangenen zu Ih-nen senden — ich wollte meine Strafe leiden, wenn ich etwasverbrochen hatte. Cr hat, durch sei» Verfahren gegen michmit dem gespielt, was nach den Grundsätzen der Vernunft das Hei-ligste — mit dem, was dem Herzen das süßeste, dem Menschenüberhaupt das Lhencrste in der Weit ist. Und was konnte ihndenn wohl dazu bewegen — was kann ihn wohl hierbei entschul-digen ? Ich habe es durchaus nie von ihm erfahren können. Ichbitte Sie übrigens, Mylord, wohl zu bemerken, daß mich meinUnwille und mein Schmerz nicht in dem Grade Hinreißen, daßich nicht die Privatrücksichten, welche Lord Somerset genommenhat, um mir meine Gefangenschaft zu erleichtern, von seinem öf-fentlichen Verfahren, wodurch er mich zu dieser Gefangenschaft sverdammte, wohl zu unterscheiden wüßte — vbschvn allerdings,die Heftigkeit meiner Reden und die Zudringlichkeit bei meinenFodernngen gegen das Ende meines Aufenthalts ihn dergestaltgegen mich erbittert hatten, daß ich, aller meiner Bitten und mei-nes bedeutenden Uibelbesiudens ungeachtet, doch auf dem Landebleiben und den täglichen Zuspruch der Aerzte, so wie die Näheder Arzneimittel allerdings entbehren mußte.
Ais endlich nach dieser Siebenmonatlichen Gefangenschaft,Ihre Befehle, Mylord! angekommen seyn mochten, wurde mirangedeutet, daß ich nun für ein Schiff zu sorgen hätte, auf demich nach England abreisen könnte. Vergebens bat ich um irgendeine Gelegenheit, die, bei meiner und meines Sohnes Kränk-lichkeit, für angemessen zu halten wäre. Alle größere hierzu ge-eigneten Schiffe wurden mir aus dem oder jenem Grunde verwei-gert und es blieb mir hierzu, bei der mir freistehenden Wahldoch nichts übrig, als das einzige zum Absegeln bereit liegendeund mir zudem von dem Gouverneur selbst bezeichnte Fahrzeug.
Ich mußte mich auf dcmseiben als Gefangener und doch aufmcinc Kosten cinschiffen, was, im Vorbeigehen gesagt, sichwohl eigentlich wenig mit einander vertragen dürste; es war eineBrigg von Zweihundert und Dreißig Tonnen und Zwölf MannEquipage, auf welcher wir also, aller ärztlichen Hülfe beraubt,allen Unbequemlichkeiten und Entbehrungen, so wie allen Uibeln,