73
Welcher sie rief, stieg nieder vom Thron zu dem offnen Ge-richtsplatz ,
Stand auf seinen Höhn und goß zwo strömende SchalenAuf die Erde, voll Thränen die ein' und die andre von
Blut voll.
Da das Blut in die Thränen herabfloß, wandt' er sein AntlitzUm zu dem Thron und rüste: Du hast sie alle gczählet.
Ruh' der blutenden Unschuld, die diese Thränen geweint hat!
Schauer ergriff die Engel, und alle Seelen der FrommenSchauer, als auch der Richter sich wandt' und mit Blicken
der Liebe
Auf die Getodteten sah, mit Blicken, welche nicht Psalme,Nicht der Jubel Gebet ganz auszusprechen vermögen.
Aber die Schaar der Getödteten schwieg, noch immer vollMitleids,
Wie sie starben. Allein Mitleid nicht, nun kein ErbarmenWar in dem Blick des Heiligen, der sich erhob, der ErwürgtenAsche zu rächen und, eh' cs dem Todesschlafe sich zuschloß,Ihr gen Himmel gerichtetes Auge, das brechend um GnadeFür die Mörder noch bat, daun still entschlummerte. Heil sey,Rüste der Menschenfreund, Anschaucn der Ewigkeit Allen,Die an des göttlichen Opfers Altar, auch-Opfer, sich legten,Nun nach kurzer Jahrhunderte Rast in das Leben erwacht
sind!
Aber Entsetzen und Qual und aller unnennbare JammerJedem Lästerer Gottes, der über den Opfern des MordesSchwert erhub und Tod auf die Zeugen des Ewigen zuckteOder ihr sinkend Gebein zu heiligem Staube verbrannte!