36
Strömender Duft ihm der Mitternacht. Er fühlt' ihn nicht,
weinte,
Weinete laut mit der Wehmuth Schauer auf Wchmnths-
schauer,
Daß ihm die ganze Seele zerfloß. Er riß sich mit Eil' auf,Ging zu den Brüdern hinein. Nun sahen sie endlich wiederThomas, ihren Bruder, und kamen mit ihrer WonneLebensmort ihm entgegen. Er hört's, und lange verstummt' er.Aber cs kehrete bald in die Seel' ihm wieder des LeidensFurchtbare Kälte, senket' ans ihn den lastenden, starken.Eisernen Arm, und er rnfte: Seh' ich ihm in den HändenNicht die Male der Nägel, und leg' ich in diese MaleMeine Finger ihm nicht und nicht in des Lebenden SeiteMeine Hand: so glaub' ich es nicbr! Der Hörenden WangeGlühete, wurde bleich. Schon rauschten der Cherubim FlügelUnter der Hütte Palmen, schon träufelt' ihr Auge von
Wonne,
Schon erbarmete sich des Gottversöhncrs Erbarmung,
Und der Göttliche stand vor seinen Jüngern. So schöpfenChristen, welche des Todes Graun erlagen, entschlafenNun, aus den Strömen des Lichts: so stürzete vor den
Erstandnen
Thomas sich nieder. Der Göttliche sprach zu den Zeugen
mit seiner
Herzlichkeit: Friede scy mit euch! Dann sagt'er zu Thomas :Lege mir deine Finger hierher, sieh' meine Hände.
Lege mir in die Seite die Hand und sey ungläubigNickt, sen gläubig. Der bebende Zeuge des Auferstandnen