Atticus. 2L7
er konnte sich nicht einmal entschließen, mit sseinem Schwager)Quintns Cicero nach Asten zu gehen, bei welchem er dieStelle eines Legaten*) hätte erhalten können. Es wäre,meinte er, für ihn nicht schicklich, Unterbeamter eines Prä-tors zn seyn, nachdem er das Prätoramt selbst nicht habebekleiden wollen. Es war ihm hiebei nicht bloS um die Be-hauptung seiner Würde, sondern auch seiner Ruhe zu thun,da er auch schon dem Verdachte von Vergehungen dabei aus-wich. Um so mehr Werth legte darum auch Jedermannans seine Achtung, da man sah, daß ste bei ihm Huldigungseines sittlichen Gefühls, nicht der Furcht oder eigennützigerZwecke war.
7. Atticus war ungefähr sechzig Jahre alt, als EäsarsBürgerkrieg hercinbrach. Er benützte die Dienstbefrciung , dieihm -sein Alter gewährte, und blieb, ohne seinen Aufenthaltzu ändern, ruhig in Rom. Bedürfnisse von Freunden, diezu Pompejus gingen, gab er ganz aus seinem eigenen Ver-mögen her. Pompejus selbst, ihm befreundet, war sdurchsein Zurückbleiben) nicht beleidigt. Denn Atticus hatte vonihm keine Auszeichnung, wie Andere, die aus seiner HandEhrenstcllen oder Reichthümer empfangen hatten, und nunzum Theil sehr ungern ihn in's Feld begleiteten, zum Theilauch zu seinem tiefsten Unwillen zu Hause blieben. Cäsaraber nahm des Atticus ruhiges Znrückhalten von Parteinahmeso gut auf, daß er, während er als Sieger den Privatper-sonen schriftlich Geldlieferungen auferlegte, den Atticus nicht
") Sine untergeordnete Verwaltungsstelle; oft aber auch Nameeines militärischen Rangs unter dem Feldherrn.