Druckschrift 
2 (1842)
Entstehung
Seite
124
Einzelbild herunterladen
 

124

Cornelius Nepos.

zu zürnen war in seinen Augen höchst unrecht dienen fol-gende Züge als Beweise. Aus Neid hatten ihn seine Mit-bürger nicht an die Spitze des Heeres stellen wollen, undes war ein mit dem Kriege nicht vertranter Feldherr gewähltworden, durch dessen Fehler das zahlreiche Heer in eine solcheLage hineingeführt wurde, daß alle Soldaten in Besorgnisseüber ihr Entkommen geriethen. In einem Engpaß cinge-schlossen, sahen sie sich von den Feinden eingezwängt. Nunfing man erst an, das Bedürfnis der umsichtigen Thäiigkeitdes Epaminondas wieder zu fühlen, der sich, ohne Rang,als gemeiner Soldat dabei befand. AlS man ihn um seineHülfe bat, ließ er keine Erinnerung au die erlittene Be-schimpfung blicken, zog das Heer ans seiner eingeschlossenenLage und führte es ohne Verlust in die Heimath zurück.Und Dieß that er nicht nur einmal, sondern mehreremal. Dasberühmteste Beispiel fällt in jene Zeit, wo er in Verbindungmit zwei Mitbefehlshabern, wovon der Eine der tapfere undthätige Pelopidas war, ein Heer in den Peloponnes gegendie Lacedämonier fülsrte. Den Anschuldigungen ihrer Gegnergelang cs, sie sämmtlich zum Gegenstände des Hasses zu ma-chen, so daß ihnen der Befehl abgenvmmcn wurde, und an-dere Befehlshaber in ihre Stelle eintrcten sollten. Epami-uondaö leistete diesem Beschlüsse des Volks keinen Gehorsam,bewog seine Mitbefehlshaber, Dasselbe z» thun, und führteden Krieg fort, den er angefangcn hatte. Er sah nämlich,daß ohne diesen Schritt das ganze Heer wegen der Unvor-sichtigkeit und Ungeschicklichkeit der Befehlshaber verlorenseyn würde. Es gab ein Gesetz zu Theben, das die Todes-strafe darauf setzte, wenn Einer den Oberbefehl länger be-