VII
Unter dem Großkanzler von Cocceji hat sich Ber-lin ein merkwürdiges Beispiel dieser Art ereignet, woein armer Eandidat der Theologie als Mörder verurtheiltwurde, der völlig unschuldig war, und der in der Zeit,wo der Mord in Berlin geschah, gar nicht in der Stadtgewesen.
Jndeß, er war nach den damaligen Formen desRechts verurrhcilt, und da aller Anschein wider ihnwar, er stch auch selber sestgcrcdet, so hätte es ihmschlimm genug ergehen können, wenn der Großkanzlerdem Thaibeftande nicht eine besondere Aufmerksamkeitgeschenkt Härte.
Ich will diese Geschichte hier so erzählen, wie sie ineiner Berliner Zeitschrift mitgetheilt wurde.
Noch in den ersten Jahren der Regierung Friedrichsdes Großen wurde bei Erimi'nal-Untersuchungen zurAusmittelung eines nicht schon hinlänglich erwiesenenVerbrechens die Tortur ,'n Anwendung gebracht.
Den ehemalige» Stelzenkrug am Aleranderplatz besaßeine kinderlose Wittwe, und in demselben wohnte, ausserihr, Niemand, als ein armer Candidat, der sich davonnothdürftig ernährte, daß er vom Morgen bis zumAbend Kindern wohlhabender Bürger Unterricht in denersten Elementen der lateinischen Sprache, der Erdbe-schreibung, Geschichte, im Schreiben und Rechnen gab.
Eines Morgens kam die Wittwe nicht wie gewöhnlich