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für Sie. Wir indessen hatten bis gestern hier herrliches, warmesWetter, den Garten überfüllt von Rosen, wie ich sie in solcherPracht bei mir noch nie gesehen; auf dem Tische Erdbeeren undKirschen genug, die, trotz aller Herrlichkeit Nizza's, doch nicht inNizza wachsen und wofür ich Oliven und Feigen und Pomeranzengern fahren lasse.
Man klagt in der halben europäischen Welt über die Rauhheitdieses unordentlichen Sommers. In Bern nun gar soll er wüstgethan haben. Vcrmnthlich blieben Sie die meiste Zeit im Zim-mer, wo Ihnen die Muse zur Erwärmung ein herrliches ästhetisch-philosophisches Kaminfcuer machte. Auch mich haben Ihre Erin-nerungen aus Nizza gewärmt, nein durchglüht. Ich lebte mitIhnen dort, sah Ihr Varthal, sah Jhr Cimic, die drei Greiseauf Chateauvicur, Ihre Priester, Ihre Bettler und vor allenDingen den politischen Pöbel, der nie weiß, warum es läutet? —Wären Sie gestern Abend nur sechs Uhr zu mir in den Gartengetreten, wo ich mit Ihren Blättern ans meiner Winkelbank dieWelt vergaß, da hätten Sie mich vielleicht mit brennendemWangen, gewiß mit einem brennenden Herzen und nassen Augengesehen, und hätte ich Sic gewiß mit Bewunderung und Wehmnthan das brennende Herz gedrückt. Als ich die Lesung beendet hatte,stand ich auf und dachte: Wär' er doch da! Gut, daß ich nichtgleich in dem Augenblick an Sie schrieb; es wäre Liebeserklärunggeworden.
Unzufriedener! ich glaube, Sie wissen gar nicht, wer Siesind? Hat sich Ihre Muse wirklich noch nicht im Spiegel gesehen,und von ihm erfahren, wie schön sie sei? Oder weiß es dieSchlaue, und will ihren Reiz nur durch diese jungfräuliche Schüch-ternheit, durch diesen Unglauben an ihren eigenen Werth, er-höhen? —
Wahrlich, oder mich blendet der böse Geist, Sie können neben