— SSI —
der Regel unterhaltender sind, als die Mehrzahl der eigentlichhistorischen Werke, weil der Verfasser sich eben nicht vornahm,gravitätisch zu sein, und weil oft gerade die Planlosigkeit derErzählung ihrer Mannigfaltigkeit Raum gab. Die Zeitgeschichtein ihrem ganzen Umfange sollen sie darstellen, nicht bloß die po-litische, und jede merkwürdige Erscheinung findet in ihnen ihrenPlatz. Ob eine dritte Eigenschaft, die solchen Sammlungen eigen-thümlich ist, daß in ihnen nämlich des Erzählers Meinungen sichunverhohlener zu erkennen geben, auch gelobt zu werden verdient,das freilich hängt von der Persönlichkeit des Erzählers ab. Ichübrigens bemerke dieses Vorherrschen der Persönlichkeit, die mei-stens ähnliche Werke veranlaßt, besonders darum, weil das Gegen-theil davon unter den Deutschen, den Mangel andergleichen Nach-richten unter ihnen großen Theils erklärt. Zn befangen von Vor-urtheilen, zu wenig bekannt mit der Welt, und zu wenig geachtetvon ihrem Publikum, Pflegen die deutschen Schriftsteller (mit we-nigen Nuspahmen) ihre Meinungen nach den Ansichten, den Wün-schen oder gar den Befehlen ihrer Gönner cinzurichten, um diesenMeinungen aus der zweiten Hand die Thatsachen anzu-paffen, die sie zur öffentlichen Kunde bringen. In England, inFrankreich bedienen sich die Regierungen wohl der Schriftsteller,um Meinungen anzugreifcn oder zu verthcidigen; aber das würdenicht geschehen, wenn nicht das Volk ihnen Zutrauen schenkte,indem es ihnen Selbstständigkeit zutrant, und der Verrath diesesVertrauens selbst beweist sein Dasein. Nur in Deutschland ist es(wie noch die neuern Verhandlungen über Tugendbündlerei u. dgl.darthun) üblich, daß sich die Schriftsteller hinter die Re-gierung stecken, um ihren Ansichten Eingang zu verschaffen,und die Kühnheit selbst darf nnr im Gewände der Schmeicheleierscheinen.
Die interessantesten Züge und Notizen werden hier eben so sehr