Freiheit und ihres Ruhms. Die Franzosen haben wenigstenssehr reiche Sammlungen für eine Geschichte, nämlich Denkwür-digkeiten, die nur durch ihre Verborgenheit dem vergiftenden Ein-flüsse der gleichzeitigen Autoritäten entgingen, und erst unter spä-ten Nachkommen ans Licht traten. Nur in Deutschland gibt es,Dank der demüthigcn Blindheit der Niedern, und der vornehmenUnwissenheit der Höher»! nur in Deutschland gibt cs fast nichts,als Stammbäume und einen Haufen bedeutungsloser fürst-licher Familiengeschichten, in die des Volkes Geschichte zu-sammengcschrumpft ist. Ein Herbarium statt der Aussicht in einereiche Landschaft!
Und diese Familiengeschichten, mit welcher devoten Lügenhaf-tigkeit sind sie verfaßt! Die Geschichte, die Schiller in seinerBegeisterung das Weltgericht nannte, wie ist sie doch in diesemLande nichts anderes, als die Dienerin, oder (um in der sächsi-schen Hofterminologie zu reden) das Kammermensch jedes kleinenDynasten, unter dessen Scepter oder Stocke sich ihr vermeinterPriester bläht; das Mensch, dessen hauptsächliche Bestimmung csist, jeden Unrath der Herrschaft sorgfältig zu beseitigen, damit ernicht ihr und den Getreuen anstößig sei, indem erste an den Stofferinnert, aus dem sie beiderseits gemacht sind.
Denkwürdigkeiten freilich verhalten sich zur Geschichte nur,wie das Ankleidezimmer zur Bühne, die Küche zum Speisesaale.Was wir haben, zeigen diese, wie wir dazu kommen, jene, undmit beiden mögen sie auch das gemein haben, daß sie nur zu oftdie Lust an den Schauspielern und an den Gerichten verderben.Aber geben sie uns die Wahrheit, die ganze Wahrheit, soübcrwiegt dieses Alles, — und denn, so lange uns die vornehmenLeute und die Köche so viel giftiges Zeug versetzen, ist cs da soübel, wenn die nähere Ansicht ihres Treibens uns manchmal denAppetit verdirbt? Dazu kommt^ daß solche Denkwürdigkeiten in