Zeitalters genoß, und ungehemmt in den Blüthen und Früchtender Literatur schwelge» konnte. Doch auch das damalige Deutsch-land hatte etwas Unwirthlichcs und Unheimatliches für ihn; eswehte unter den dunkeln Fittigen der heiligen Allianz eine schwüle,beengende Lust, und wohin er kam, begegneten ihm durch Partei-geist gereizte Gemüther. Er mochte nicht unter den Deutschen bleibe».
Unabhängig in seinen Ansichten, als Fremdling, ließ er sichaber vom Treiben des Augenblicks keineswegs anfcchten. Gernthcil' ich den Lesern einen seiner Briefe mit, den er damals anE. H. v. Seng bnsch nach Riga schrieb. Aus dem traulichen Ge-schwätz mit dem Freunde verkündet sich der herrliche Geist desMannes und seine Bcurthcilnng der Zeit am treuesten. Und ichmöchte doch diesen Geist, in dem kurzen LebcnSabriß, vorzüglichbezeichnen. _
Tharand, den 11. Zuni 1819.
Die Werthlosigkeit dessen, was man der Welt als Geschichteaufbinden will, ist oft der Gegenstand unserer Gespräche gewesen,und ich habe immer die Ucbcrzeugung gehabt, daß alle mit irgendeiner obrigkeitlichen Erlanbniß oder unter irgend einer Ccn-sur bekannt gemachte historische Werke schon darum von eineraufgeklärter» Nachwelt verworfen und vergessen sein werden, weildas iioprimrttur ihnen die unzweideutigsten Stempel der Un-glaubwürdigkeit aufdrückte. Daß aber das Uebel so groß wäre,wie es mir schon die seltener», bisherigen Gelegenheiten, vonAugenzeugen oder ihren nächsten Umgebungen, darstellcn, das frei-lich habe ich nicht gedacht.
Es mag auch wohl sein, daß das gute Deutschland in dieserHinsicht am ärmlichste» dasteht. Die Engländer haben Geschicht-schreiber; die Italiener hatten dergleichen in den Zeiten ihrerZsch. Ges. Schr. 32. Thl. 13