mit durch Reaktion entstandenem Kopfweh, zu erwarten ist. Eswar darauf gerechnet, daß der verbesserte Organismus der Aka-demie schon im Mai des vorigen Jahres hergestellt und ich dannetwas freier sein würde. Dann wäre ich diesen Sommer längereZeit losgcbunden gewesen und könnte neues Oel in mein Lebens-lämpchcn gießen. So erstirbt auch diese Hoffnung."
Schlichtegroll schien von der Unheilbarkeit seiner körperlichenBeschwerden (von der sich die Aerzte erst spät überzeugten) frühvergewissert zu sein, und in den Vorgefühlen einer nahen Auf-lösung zu leben. Aber er lebte mit einer himmlischen Heiterkeitdarin. Das Dasein auf Erden hatte für ihn nur als ein MittelWerth, wie Gott still und wohlthuend um sich her zu wirken.Krankhaftes, thatenloses Hindauern war ihm ein widerlicher Ge-danke. Wie dem Johannes Müller, lag auch ihm noch eine Reiheherrlicher Entwürfe vor, deren Ausführung mehr als das längsteLebensalter gefordert haben würde. „In der Mitte des künftigenMonats," schrieb er unterm 21. Juni 1822 — es waren seineletzten Zeilen an mich —, „denke ich nach Kissingen bei Würz-burg zn gehen, um den Brunnen zu trinken und zu baden undeinen Versuch zu machen, meine Krämpfe des Unterleibes nnd desMagens zu stillen. Bleibe ich am Leben, so wird doch endlich aucheinmal die Zeit kommen, wo ich für das größere Publikum etwasGrößeres arbeiten und niederschreiben kann." —
Sie kam ihm nicht.
Ich habe nicht den Vorsatz, den Geschäftsmann in seinervielseitigen, rastlosen Wirksamkeit, nicht den Gelehrten, nichtden Schriftsteller zu schildern, sondern nur Beiträge zur Zeich-nung vom innern Leben dieses merkwürdigen und hochedeln Man-nes zu geben. Darum führte ich jene einzelnen kleinen Bemer-kungen und Züge von ihm an. — Doch glaube Niemand, weilhier mehr als ein Seufzer erkannt wird, den er in vertrautesterZsch. Ges. Schr. 33. Thl. 12